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Goaslander
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Erzählung
In dem Dorf, aus dem ich stamme, wird oft, gern und lange gefeiert. Wenn es ein Fest der Dorfgemeinschaft gibt, wird es zu meißt in einer Scheune gefeiert, die zuvor extra dafür herausgeputzt und geschmückt wird.
Vor über 15 Jahren ging unser Ortsheimatspfleger anlässlich der 1000 Jahr Feier des Ortes durchs Dorf und regte die Leute an, Geschichten zusammen zu tragen, die sie mit Lobmachtersen verbinden.
Meine Mutter trägt seit jenem Fest immer mal wieder kleine Geschichten vor, die sie selbst so erlebt hat.
Im Augenblick ist wieder so ein Fest in Vorbereitung, die Geschichten sind so viele, man will sie in einem Buch zusammen fassen und dieses Buch soll dann zum Fest präsentiert werden. Dafür braucht sie ihre Erzählungen natürlich digitalisiert. Darum sind wir gerade dabei, sie per PC nieder zu schreiben.
Die Sprache ist das Plattdeutsch aus dem Braunschweiger Land im Dialekt unseres Dorfes. - Brecht euch also nicht die Augen oder Zungen. 
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Brass
Woher soll ich wissen was ich meine, bevor ich lese, was ich schrieb?
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Goaslander
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Re: Erzählung
Sommertaid, schöine Taid...
Et iss’tja nich sah, datt ek watt gegen den Winter härre, wenn dai denn mal komen dai, so mit ortiger Külle un veel Schnai. Duise ole Smuddelwitterunge kann ek mek ok denn giut verkanipen. Datt bölstern un pruisten lätt den ganzen Winter nich na. Ach, un dann düsse langen, duisteren Abende, man werd tja ganz melankolsch.
Nu künnt wai de Dage tellen, wo wai dann dae Iuhr eine Stunde vor krekkeln dröwett. Denn niu fängt datt laiwe Froitjahr an, ett waerd wedder allet sah schöine groin. Un ek drömme mal mit openen Ogen:
Wie was datt denn’ne mal e’west?
Anfang dae vört’iger Tjahre, da gaff et an drai Sommermonate noch aine Stunne datai. Ach tja, Klocke säbbene ging de Schaale in`t Sommerhalftjahr an. Morgens, wenn wai los gingen, was et noch so lausig kolt, aber Middags, da brenne de Sunne dann ortig. Wenn wai dusel harn, gaff et kaine Schaalarbaiten up.
Iuse Kanter harre ett morgens aine Plente, na ne Teeplente midde e’brocht. Düsse waise hai ösch denn ganz peniebel. Mal harre hai Weegerich, Läwentahn, Hufflattich, Schapgarbe un ok Kamille. Namedags moßten wai denn los gahn, un duisse Plänten sammeln. Ett sollte en ganzen Kartuffelkorf full sain. Wenn wai denn am andern Morgen wedder in de Schaale wörr’n, wass uise Korff dann doch blos noch half full. Denn sahfeel was datt Teekruit ober Nacht in’e drögt.
Wenn’n bedenkt, datt de ganzen Grabens an de Zikkenburn verpachtet wörr’n, un wai nißt umme’trampen drofften, kann’n sek woll vorstell’n, watt datt vor aine Plakkerei e’west waß.
Ach tja, in’t Buschwark moßten wai ok, dä Blamen von dä Kalekken plükken un upp’en Lindenboom sind wai ok e’klattert, um Lindenblamen ta plükken. Düsse roken sa schöne.
All datt kam upp’n Kerkenbotten tan drö’en. Wai moßten ett dann na ain paar Dagen ganz suttje umme’drain. Un de Groten uit de achten Klasse mosten et denn in Säcke stoppen un up Handwan’s upe’lahn un nah Gebershan fahrn.
Ösch Krabben harre de Kanter vortellt: „Datt makett jai alles vor uise Soldaten.“ Ett waßt tja Kraig. Dai briuket datt.
Ösch luitschen Minschen harre man all grote Uppgaben e’geben.
All’s im Maa nejentainhundertfaifunförzig de schoislige Kraig vorbei was, binn ekk acht Tjahre olt e’west.
Christa Schrader
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Brass
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Zuletzt bearbeitet von Brass, 11.04.2006 um 07:48.
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Re: Erzählung
Das waren halt noch andere Zeiten! Aber ich finde es eine super Idee, diese Geschichten zu sammeln für ein Buch. Das hat für mich so viel mit Kultur und Geschichte zu tun. Es wäre wirklich sehr schade, wenn erstend die Erinnerungen an frühere Zeiten verloren gingen und zweitens das Plattdeutsche niemand mehr einsetzen könnte. Ich bin sicher nicht jemand, der glaubt, dass die Zeiten früher besser waren. Das nicht, aber anders sicher.
Wer kann diesen Dialekt eigentlich heute noch? Klar, ich verstehe nicht jedes Wort, aber der Gesamtzusammenhang habe ich, denke ich wenigstens, verstanden.
Yerba Buena
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Re: Erzählung
Brass, eine schöne Erinnerung. So kleine "Anecktoden" aus dem Alltag gefallen mir sehr gut. Mit dem Plattdeutsch hatte ich allerdings meine liebe Mühe! Gesprochen ist es noch einigermassen verständlich (auch wenn nicht jedes Wort einen Sinn macht), geschrieben ist es schon sehr schwierig. Das ist aber wohl mit jedem Dialekt so. Trotzdem finde ich es sehr gut, wenn solche Dialektgeschichten aufgeschrieben werden. Unsere Sprache ist ja einem dauernden Wandel unterzogen und der Zeitgeist wird auch ein Stück weit durch die Sprache verkörpert. Lyra
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Goaslander
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Re: Erzählung
Hihi, ich habe mir schon gedacht, dass ihr zwei mit dem Text so eure liebe Not haben würdet. 
Um so mehr freut es mich, dass ihr die Idee mit dem Buch auch so seht, wie ich.
Ich selber kann Plattdeutsch nicht sprechen, dafür fehlte mir früher einfach die Gelegenheit. Aber ich verstehe es einwandfrei. Bei uns zu Haus wurde früher mit uns Kindern nur Hochdeutsch gesprochen, weil es sich nicht schickte, Plattdeutsch zu sprechen und wir Kinder sollten es ja auch einmal besser haben, als die Eltern und Großeltern. - Heute bedauere ich das sehr.
Für meine Mutter steht nicht so sehr die Sprache im Vordergrund, wenn sie jetzt ihre Erzählungen niederschreibt, sondern die Erinnerungen. Ich selber sehe es anders herum. Durch Ihre persönlichen Erlebnisse wird die Sprache, zumindest für mich, lebendiger. Denn wenn ich sie so reden höre, erinnert mich das an die Zeit meiner Kindheit, wo wir Kinder so nicht sprechen durften, aber die Erwachsenen sich alle in dieser Sprache unterhielten.
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Brass
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Goaslander
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Re: Erzählung
Die Fuierwehrhauptversammlunge
Djedes Tjahr gifte et tja vor alle Veraine de Tjahreshauptversammlunge. Tja, ok bei de Machterschen Fuierwehr. Se drapen sek alle in’ner „Eiche“. Erst mosten alle ortig tah hör’n, dann gaff’et en Happen tah äten un Bair, bet nißt mehr rin ging. Vehle harr’n ok en bannigen Dost. Un ainer was butten up’m luitschen Hiuse in’neslapen. Un dat bai foftain Grad Külle. Saine Kameraden harrn’ne noch rechttaitig e’funnen. Hai was sain Korten aber giut bai Laibe. Un sainen Bainen wolln öhne ok nich mehr drahn. Wat nu? Ein paar Kameraden sind nah öhne nah Hius e’gahn. Wohne hai doch glaik umme Ecke und haln de Messekaare. Richard, Heini, Fritze, Paul, Otto un Hannes hät den Willi nah Hiuse kutschiert. Aber sain Ilse was mit Marta bei Lotte tai’n Kaffee drinken, oder sa’h...
Ober der Hiusdör lag de Hiusslöttel. Nu wörr’n se am oberleggen... in’ne giu’e Stube konn’ se ne tja slecht hen’leggen, ha könne tja oberlopen. Also mot hai up de Däle aber up dä kohlen Stainplatten konn se ne tja slecht henleggen. Nah da hät se iut’n Pärstalle en paar Strohbunne e’halt und op däh Däle upe’snetten un Willi in’t Stroh inne’rohd. Wai Ilse nah hius kam, draip sah de Slag. „Wai kummt denn dä Söh up de Däle?“, denn Willi was bannig am Snorken. Na ner Taid frage mek Ilse: „Sech mal Christa, hat dain Fritze dek vertellt, wai se den Hiutslöttel e’fun’n hät?“ „Tja,“ hebbe ek da e’secht, „der lach doch ober de Hiusdör.“
Christa Schrader
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Brass
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Re: Erzählung
Brass, das war nun des Guten zuviel! Da kann ich jetzt nicht mehr mithalten, verrat mir wenigstens die Pointe. Schreib ruhig weiter auf Platt, ich finds einen lustigen Dialekt, aber irgendwann kommt dann die Retourkutsche!
Yerba Buena
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Goaslander
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Re: Erzählung
Ich werde mal die wichtigsten Sätze übersetzen.
Es geht um eine Feuerwehrversammlung.
Erst mosten alle ortig tah hör’n, dann gaff’et en Happen tah äten un Bair, bet nißt mehr rin ging. Vehle harr’n ok en bannigen Dost.
Zuerst mussten alle brav zuhören, danach gab es etwas zu essen und Bier, bis alle satt waren. Viele hatten auch einen sehr großen Durst.
Un ainer was butten up’m luitschen Hiuse in’neslapen. Un dat bai foftain Grad Külle.
Und einer war draußen auf dem kleinen Haus (Plumpsklo) eingeschlafen. Und das bei -15° Kälte.
Wohne hai doch glaik umme Ecke und haln de Messekaare.
Wohnte er doch gleich um die Ecke und sie holten die Mistekarre. (Schubkarre mit Holzplattform)
Richard, Heini, Fritze, Paul, Otto un Hannes hät den Willi nah Hiuse kutschiert.
...haben den Willi nach Haus gefahren. (Auf der Mistekarre)
Aber sain Ilse was mit Marta bei Lotte tai’n Kaffee drinken, oder sa’h...
Aber seine Ilse war mit Marta bei Lotte zum Kaffee trinken, oder so... (da gab es auch nicht nur Kaffee )
Nu wörr’n se am oberleggen... in’ne giu’e Stube konn’ se ne tja slecht hen’leggen, ha könne tja oberlopen. Also mot hai up de Däle aber up dä kohlen Stainplatten konn se ne tja slecht henleggen.
Nun waren sie am Überlegen,... in die gute Stube konnten sie ihn ja schlecht hinlegen, er könnte ja "überlaufen". Also musste er auf die Diele (Flur) aber auf die kalten Steinplatten konnten sie ihn ja schlecht hinlegen.
Nah da hät se iut’n Pärstalle en paar Strohbunne e’halt und op däh Däle upe’snetten un Willi in’t Stroh inne’rohd.
Na dann haben sie aus dem Pferdestall ein paar Bund Stroh geholt und auf der Diele aufgeschnitten und Willi in das Stroh gelegt und mit Stroh zugedeckt.
Wai Ilse nah hius kam, draip sah de Slag. „Wai kummt denn dä Söh up de Däle?“, denn Willi was bannig am Snorken.
Als Ilse nach Haus kam, traf sie der Schlag.(Die war ja jetzt auch nicht mehr ganz nüchtern) "Wie kommt denn die Sau auf die Diele?", denn Willi schnarchte fürchterlich.
Na ner Taid frage mek Ilse: „Sech mal Christa, hat dain Fritze dek vertellt, wai se den Hiutslöttel e’fun’n hät?“ „Tja,“ hebbe ek da e’secht, „der lach doch ober de Hiusdör.“
Nach einiger Zeit fragte mich Ilse: "Sag mal Christa, hat dein Fritz dir erzählt, wie sie den Haustürschlüssel gefunden haben?" "Ja", sagte ich, "der lag doch über der Haustür."
Pointe: Die Kameraden hätten den Willi ja auch irgendwo im Pferdestall ins Stroh legen können, statt ihm die Diele einzustreuen. Die Story haben die Kerls ja nicht für sich behalten, sondern auf der Feuerwehrversammlung blumig weiter erzählt, so dass es am nächsten Tag das ganze Dorf wußte. - Und der betroffene Willi gehörte eigentlich zum Kreise der angeseheneren Bauern im Dorf. gg
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Re: Erzählung
Danke, alles klar!
Mach bitte weiter mit solchen Geschichten, vielleicht lerne ich so noch Platt. Aber nur zu Verstehen, wie man das richtig ausspricht......
Yerba Buena
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Re: Erzählung
Dank Deiner Übersestzung habe ich nun auch die 2 Geschichte verstanden. Ein Freund meines Vaters (leider sind beide schon verstorben) hat sich manchmal einen Spass gemacht und zu uns Kindern auf Plattdeutsch gesprochen. Damals hatte wir immer rechte Fragenzeichengesichter, aber mit der Zeit haben wir doch mitbekommen was er meint. Da fand er es dann wohl nicht mehr so lustig, auf jeden Fall hat er irgendwann damit aufgehört. Lyra
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