Alt 15.01.21, 16:43
Standard Sorge vor Steuererhöhungen belasten Wall Street
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NEW YORK (Dow Jones)--Sorgen vor Steuererhöhungen in den USA drücken am Freitag an der Wall Street auf die Aktienkurse. Das vom künftigen US-Präsidenten Joe Biden angekündigte Corona-Hilfspaket im Volumen von 1,9 Billionen Dollar löst damit keine Euphorie unter Aktieninvestoren aus. Stattdessen fragen Anleger, wer die Rechnung im Anschluss begleichen wird. "Der Umfang überrascht offensichtlich auf der Oberseite. Mit der Senatsmehrheit könnten Steuererhöhungen mittelfristig kommen und das ist etwas, was der Markt ins Kalkül ziehen muss", sagt Investmentstrategin Wei Li von Blackrock.

Im frühen Geschäft fällt der Dow-Jones-Index um 0,4 Prozent auf 30.879 Punkte, der S&P-500 büßt 0,3 Prozent ein, während der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent zulegt - leicht gestützt von sinkenden Marktzinsen. Biden wolle Steuerschlupflöcher schließen, um die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. "Aber höhere Unternehmens-, Einkommens- und Kapitalertragssteuern sind irgendwann unvermeidlich für eine Wirtschaft, die eine Staatsverschuldung von weit über 100 Prozent des BIP vorweist", bläst ING-Volkswirt James Knightley ins gleiche Horn.

Andererseits zeigt der Arbeitsmarkt Zeichen der Schwäche und damit die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung. Am Vortag hatten Daten die höchste Steigerung bei den wöchentlichen Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung in den USA seit Beginn der Pandemie im März 2020 offenbart. "Wenn man so schlechte Daten sieht, muss man sich fragen, ob die vorherrschende Erwartung, dass eine zyklische Erholung eintritt, erschüttert wird", ergänzt Li.

Wie es um die Verfassung der US-Konjunktur bestellt ist, belegen Daten. So ist die Geschäftsaktivität im Großraum New York auf Basis des Empire State Index im Januar gesunken, obwohl Volkswirte auf eine Erholung gesetzt hatten. Auch die Einzelhandelsumsätze im Dezember enttäuschen auf ganzer Linie. Immerhin überrascht die Industrieproduktion im Dezember positiv. Im Sitzungsverlauf steht noch das wichtige Verbrauchervertrauen an.

US-Banken überzeugen nicht

Im Fokus stehen zudem die Geschäftsausweise der Großbanken JP Morgan und Citigroup sowie von Wells Fargo. JP Morgan hat ihren Gewinn im vierten Quartal trotz Corona-Krise um 42 Prozent gesteigert und die Erwartungen übertroffen. Der Kurs steigt um 0,1 Prozent. Die Bank profitierte vor allem von der Auflösung von Kreditrückstellungen in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar. Citigroup sinken um 2,7 Prozent. Das Finanzinstitut überzeugte zwar gewinnseitig, aber auf der Erlösseite verfehlte die Bank die Erwartungen. Wells Fargo büßen gar 4,2 Prozent ein, obwohl die Bank erstmals seit sechs Quartalen die Gewinnerwartungen geschlagen hat. Allerdings sind die Einnahmen deutlicher gesunken als befürchtet.

Blackberry springen um 22 Prozent nach oben. Der kanadische Anbieter von Sicherheitssoftware soll laut Berichten 90 Patente an Huawei veräußert haben. Progress Software verlieren 5,7 Prozent. Das Software-Unternehmen kehrte zwar in die Gewinnzone zurück. Allerdings war im Vorjahr eine Abschreibung vorgenommen worden, die das Ergebnis gedrückt hatte.

Die Aktien von Lennar steigen um 1 Prozent. Der Vorstand hat einen weiteren Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1 Milliarde Dollar oder 25 Millionen Aktien genehmigt.

Rentennotierungen legen zu

Am Rentenmarkt steigen die Notierungen mit den schwachen Daten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sinkt um 1,2 Basispunkte auf 1,12 Prozent. Das klare Bekenntnis von Notenbankgouverneur Jerome Powell zur lockeren Geldpolitik stützt den Rentenmarkt zusätzlich. Er dämpfte am Vorabend die Befürchtung, ein Zurückfahren der Anleihekäufe könnte angesichts der massiven Neuverschuldung der USA durch Stimuluspakete demnächst anstehen.

Der Dollar hält sich wacker angesichts der trüben Konjunkturdaten. Analysten glauben trotz des Bekenntnisses von Powell, dass die USA früher als Europa aus der ultrolockeren Geldpolitik aussteigen werden. Der Euro fällt auf 1,2110 Dollar nach Wechselkursen um 1,2160 am Vorabend.

Die Mineralölpreise sinken mit den überwiegend mauen Daten, die nicht für ein Anspringen der Nachfrage stehen. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich um 1,1 Prozent auf 53,96 Dollar je Fass, der Preis für die europäische Sorte Brent gibt 1,5 Prozent auf 55,59 Dollar ab.

Der steigende Dollar drückt die Feinunze Gold um 0,3 Prozent auf 1.840 Dollar. Auch die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung durch die Biden-Pläne belastet das Edelmetall. Zudem könnten Steuererhöhungen die Inflationssorgen etwas dämpfen.

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January 15, 2021 10:07 ET (15:07 GMT)

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