Alt 06.01.21, 16:48
Standard Sieg der Demokraten drückt Technologiegiganten
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NEW YORK (Dow Jones)--Mit Verlusten ist die Wall Street am Mittwoch in den Handel gestartet. Der Dow-Jones-Index verliert 0,2 Prozent auf 30.339 Punkte, der S&P-500 gibt 0,5 Prozent ab und der Nasdaq-Composite sackt um 1,3 Prozent ab. Den Anlegern missfällt, dass mit großer Sicherheit die Demokraten die beiden Senatssitze in Georgia erobert haben und damit der künftige Präsident Joe Biden mit einer faktischen Mehrheit in beiden Kongress-Häusern "durchregieren" kann. Die Teilnehmer schätzen eher "Patt"-Situationen, weil dann die staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft begrenzt bleiben.

Daneben zeigt sich eine massive Diskrepanz zwischen den Sektoren, denn die Technologiewerte in den Nasdaq-Indizes laufen massiv abwärts. Dahinter steckt die Sorge, dass die Demokraten die Techgiganten stärker regulieren werden. Am Gesamtmarkt dagegen werden "nur" höhere Steuern befürchtet. Die Aktien der großen Technologieunternehmen wie Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft oder Netflix geben jeweils rund 2 Prozent ab.

Andererseits könnten die Investoren einer politischen "blauen Welle" im weiteren Verlauf Positives abgewinnen. Denn bei den Demokraten herrscht viel Sympathie für weitere staatliche Hilfspakete. Dies zeigt sich daran, dass die Futures auf den Dow-Jones-Index und den Russell-2000 leicht im Plus liegen. Dort befinden sich etliche von der Corona-Pandemie getroffene Unternehmen, die von Staatshilfe profitieren würden.

Viele Teilnehmer beruhigt überdies, dass die demokratische Mehrheit im Senat hauchdünn ist - sie beruht lediglich auf der entscheidenden Stimme der künftigen Vizepräsidentin in ihrer Funktion als Senatspräsidentin. "Wenn sich die Wolken erst verzogen haben, wird man sehen, dass die blaue Wende nur eine sehr marginale ist", sagt Chefstrategin Seema Shah von Principal Global Investors.

Eine klare Enttäuschung waren die ADP-Arbeitsmarktdaten, die statt eines erwarteten Aufbaus von Stellen einen Rückgang verzeichneten. Sie liefern möglicherweise einen Vorgeschmack auf die wöchentlichen Jobdaten am Donnerstag und den staatlichen Dezember-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Allerdings weisen Teilnehmer darauf hin, dass seit April die ADP-Daten stets schwächer waren als die offiziellen. Am Abend deutscher Zeit wird noch das Fed-Protokoll der jüngsten Sitzung im Dezember publiziert.

Banken profitieren von Demokraten-Sieg

Der Bankensektor zeigt sich fester. Hier stützen auch die gestiegenen US-Anleihezinsen. Die Zehnjahresrendite lag mit einem Plus von rund 6 Basispunkten erstmals seit März über 1 Prozent, aktuell liegt sie exakt bei 1,0 Prozent. Hintergrund ist die Erwartung zusätzlicher Konjunkturprogramme in den USA, falls Joe Biden "durchregieren" kann. JP Morgan gewinnen 2,3 Prozent und Goldman Sachs 1,3 Prozent.

Moderna steigern sich um 1,2 Prozent. Die zuständige EU-Behörde EMA hat grünes Licht für den Covid-Impfstoff des US-Unternehmens für die Europäische Union gegeben.

Der US-Krankenversicherer Unitedhealth kauft für rund 7,84 Milliarden US-Dollar die Change Healthcare Inc. Je Aktie von Change Healthcare, einem Technologieunternehmen für das Gesundheitswesen, zahlt die Unitedhealth Group nach eigenen Angaben 25,75 Dollar, ein Aufschlag von fast 41 Prozent zum Schlusskurs von 18,24 Dollar am Dienstag. Change Healthcare explodieren um 32 Prozent auf 24,17 Dollar. Unitedhealth fallen 2,6 Prozent, wobei die Aktien im Gesundheitsbereich auch unter dem voraussichtlichen Sieg der Demokraten leiden. So verlieren Pfizer um 0,9 Prozent, Merck um 0,5 Prozent sowie Johnson & Johnson um 0,4 Prozent.

AmerisourceBergen springen um 7,3 Prozent, nachdem der Pharmagroßhändler die Mehrheit der Sparte Alliance Healthcare übernimmt. Verkäufer Walgreens gewinnen 2,8 Prozent.

Tesla legen 2,9 Prozent zu. Nach der positiven Meldung am Vortag zur Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge hat Morgan Stanley das Kursziel auf 810 von 540 Dollar angehoben.

Dollar holt Verluste auf

Am Devisenmarkt hat sich der Dollar im Tagesverlauf gefangen. Aktuell notiert der Euro kaum verändert bei 1,2294 Dollar. Am Markt wird indes bezweifelt, dass die Abwärtsfahrt des Greenback bereits an ein Ende gekommen ist. Denn tendenziell gedrückt wird die US-Devise von der Erwartung steigender Staatsausgaben im Gefolge einer demokratischen Agenda.

Der Goldpreis zeigte sich zunächst als Profiteur dieser Entwicklungen, ist aber nun deutlich ins Minus gerutscht. Zunächst stützten der schwächere Dollar ebenso wie die Sorge einer anziehenden Inflation, hervorgerufen durch die Ausweitung der Staatsausgaben. Allerdings zeigt sich die Luft für das Edelmetall zunehmend dünn, und die Marke bei 1.950 Dollar als schwer überwindbar. Aktuell verliert die Feinunze 1 Prozent auf 1.929 Dollar.

Am Ölmarkt ist nach den jüngsten Zugewinnen keine größere Bewegung mehr zu beobachten. Nachdem der WTI-Preis am Vortag erstmals seit Februar kurzzeitig über 50 Dollar pro Barrel gestiegen war, notiert er nun mit Mini-Abgaben knapp darunter. Getragen wurde die Aufwärtsbewegung von dem am Dienstag gefundenen Opec+-Kompromiss zu den Fördermengen, der für Februar nur eine leichte Erhöhung vorsieht. Zudem hat Saudi-Arabien überraschend über eine darüber hinausgehende eigene Kürzung informiert. Etwas nach oben läuft der Brent-Preis mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 53,88 Dollar je Fass.

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January 06, 2021 09:55 ET (14:55 GMT)

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