Alt 19.09.21, 17:33
Standard Ein Blick auf Dividenden
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Die Gesamtrendite beachten.

Angesichts steigender Aktienmärkte und einem unveränderten Niedrigzinsumfeld stehen dividendenstarke Aktien immer wieder verstärkt im Fokus der Anleger. Während 10-jährige US-Staatsanleihen nur 1,29 Prozent abwerfen und deutsche Staatsanleihen mit derselben Laufzeit -0,33 Prozent, weist der MSCI World High-Dividend Yield Index eine Rendite von 3,44 Prozent auf. Sind Aktien mit hoher Dividende also die Lösung für alle Investitionsprobleme?

Genau hinschauen

Viele Anleger nehmen Dividenden positiv wahr, sie werden als zuverlässig erachtet und sollen gelegentliche Kursrückgänge an den Aktienmärkten abfedern. Wir betrachten Dividenden etwas differenzierter: Sie sind ein positiver Einflussfaktor, keine Frage. Allerdings führen sie nicht zu einer grundlegenden Verbesserung ihrer Gesamtrendite – sie sind ein Teil der Rendite Ihrer Gesamtinvestition selbst. Denn natürlich wird durch eine Dividende kein Zusatzertrag generiert, jede gezahlte Dividende wird unmittelbar vom Aktienkurs abgezogen. Das Unternehmen schneidet im Grunde genommen einen kleinen Teil seines Gesamtwertes ab und stellt diesen den Aktionären als zu versteuernde Barauszahlung zur Verfügung. Für Anleger zählt am Ende jedoch die Gesamtrendite: Kursbewegung plus Dividendenzahlungen. Wer die Gesamtrendite verschiedener Aktien vergleicht, wird schnell feststellen, dass dividendenstarke Aktien den anderen nicht von Natur aus überlegen sind.

Aktien sind Aktien!

Manchmal entwickeln sich Aktien mit hoher Dividende besser als der breite Markt, manchmal ist es umgekehrt. Seit Beginn des Jahres 2020 hinken hohe Dividendenzahler dem breiten Markt kräftig hinterher, trotz der kurzfristigen Überlegenheit von Februar bis März 2020, als der COVID-Crash die Märkte durchschüttelte. Sind Aktien mit hoher Dividende also wenigstens in Bärenmarktphasen die richtige Wahl, relativ betrachtet? Auch diese Behauptung ist nicht belastbar, beispielsweise wurden Aktien mit hohen Dividenden im Rahmen der Finanzkrise von 2007 bis 2009 unverhältnismäßig hart getroffen. Zu diesem Zeitpunkt kürzten auch mehrere verlässliche Dividendenzahler ihre Ausschüttungen, die von Investoren über Jahrzehnte hinweg als „garantiert“ betrachtet wurden. Dividenden und Sicherheit sind eben nicht immer gleichbedeutend.

Nicht grundlegend schlechter

Die jüngste Underperformance der hohen Dividendenzahler bedeutet allerdings auch nicht, dass sie von Natur aus unterlegen sind. Sie neigen einfach dazu, gewisse Schwerpunkte in Bezug auf Länder, Sektoren und den Investmentstil darzustellen. Dividendenstarke Aktien sind im Vergleich zum MSCI World Index in den USA untergewichtet, in Kontinentaleuropa und Großbritannien dagegen übergewichtet. Dies liegt vor allem daran, dass sich unter den Technologie-Schwergewichten wenige Unternehmen finden, die hohe Dividenden zahlen. Diese befinden sich eher im Gesundheitssektor, bei Versorgern und Basiskonsumgütern. Wer sein Portfolio also möglichst dividendenstark aufstellen will, der entscheidet sich indirekt für ein Portfolio mit Value-Charakter.

Fazit

Hohe Dividenden wirken nach wie vor attraktiv für Anleger, die mit dem Niedrigzinsumfeld weiterhin ihre Schwierigkeiten haben. Aus unserer Sicht ist es in der aktuellen Marktphase jedoch viel wichtiger, der spätzyklischen Standortbestimmung Rechnung zu tragen. Wachstumsaktien haben in dieser Marktphase die besten Chancen, weshalb sich Anleger sorgfältig überlegen sollten, warum sie den Value-Investmentstil tatsächlich wählen – denn genau dahin führt tendenziell eine „Dividendenstrategie“.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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