Alt 19.11.14, 14:59
Standard Der kritische Ausblick bleibt
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Euro-Zone im Fokus.

Die relative Schwäche der Euro-Zone im globalen Vergleich ist in den vergangenen Monaten und Jahren nicht spurlos an den Anlegern vorbeigegangen. Vor allem der direkte Vergleich mit den USA verstärkt die Sorgen der Anleger, dass die Euro-Zone vor einem „verlorenen Jahrzehnt“ stehen könnte. Politische Gemengelage, anhaltende konjunkturelle Schwäche, Überschuldung, Arbeitslosigkeit, Deflationsängste – diese sorgenvolle Stimmung hat vielfältige Ursachen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone weist im dritten Quartal 2014 ein Wachstum von 0,2 % auf, die Erwartungen der Analysten wurden dabei leicht übertroffen. Solide Zahlen! Sie können allerdings die zahlreichen Sorgen der Anleger nicht beseitigen. Denn derartige Wachstumsraten erscheinen der Mehrheit nicht ausreichend zu sein, um die Konjunktur nachhaltig in Schwung zu bringen, Arbeitslosigkeit und Deflation zu bekämpfen und den Abbau der Schuldenberge voranzutreiben. An dieser Stelle lohnt sich der Blick auf die detaillierten Daten.

Peripheriestaaten überraschen

Die wichtige Nachricht vorab: Deutschland befindet sich nicht in einer Rezession! Das BIP-Wachstum im dritten Quartal 2014 beträgt 0,1 % im Vergleich zum Vorquartal. Frankreich wächst sogar noch etwas mehr: Im Vergleich zum Vorquartal steht ein Plus von 0,3 % zu Buche. Auf Jahressicht verzeichnen die beiden „Euro-Kernländer“ damit ein Plus von 1,1 %. Eine sehr robuste Entwicklung – und ein wichtiges Signal angesichts der zurückliegenden Enttäuschung im zweiten Quartal 2014.

In den Peripherieländern zeigt sich ein gemischtes Bild. Italien verzeichnet einen quartalsweisen Rückgang von 0,1 %, Spanien und Griechenland dagegen überraschen: Das Wachstum beträgt 0,5 % beziehungsweise 0,7 % auf Quartalssicht. Verkehrte Welt: Die Problemkinder führen das Feld an! Insbesondere ist das Lebenszeichen von Griechenland im Jahr 2014 bemerkenswert, nachdem das BIP in den vorangegangenen sechs Jahren kontinuierlich um rund 30 % zusammengeschrumpft war. Doch was sind diese Zahlen letztendlich wert?

Blick in die Zukunft

Die positiven Zahlen aus den Peripheriestaaten sollte man nicht überbewerten. Spanien, Griechenland und Co. sind nicht fähig, das Wachstum in Deutschland und Frankreich zu beschleunigen – darüber sind sich alle einig. Eine amüsante Umkehrung der Problemstellung einiger Jahre zuvor: Damals wurde befürchtet, dass die taumelnden Peripheriestaaten die gesamte Euro-Zone in den Abgrund reißen würden. Die winzige Wirtschaft Griechenlands kann also Europa nicht retten, aber sehr wohl versenken? Dieses Beispiel steht sinnbildlich für die negative Stimmungslage.

In der Euro-Zone ist keinesfalls alles in bester Ordnung! Die griechische Staatspleite wurde zur Realität, die europäische Rezession überdauerte insgesamt 18 Monate, der Konjunkturmotor kommt aktuell nur sehr schleppend in Fahrt. Die Befürchtungen um ein verlorenes Jahrzehnt nach japanischem Vorbild dominieren weiterhin. Exakt dasselbe wurde übrigens in den USA für die Jahre 2009 und 2010 vermutet! Erholungsbewegungen finden üblicherweise dann kräftig statt, wenn die Mauer der Angst hoch ist. Die Zahlen sind letztendlich viel besser als sie wahrgenommen werden.

Fazit

Der skeptische Blick auf die Konjunkturdaten bleibt erhalten. Positiv für die Euro-Zone: Erholungsbewegungen finden am besten im Stillen statt. Und selbst wenn alle Stricke reißen: Die Euro-Zone ist nicht die ganze Welt. Chancen für global orientierte Investoren gibt es zuhauf. Abgesehen davon haben insbesondere die Aktienmärkte mehrfach bewiesen, wie wenig sie sich um rückwärts gerichtete Indikatoren wie BIP-Zahlen kümmern.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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