Alt 07.06.23, 15:15
Standard „US-Schuldenobergrenze im Fokus“
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Eine Anhebung mit Folgen?

Wie es für einen jungen Bullenmarkt typisch ist, hat die Anhebung der US-Schuldenobergrenze in der vergangenen Woche die Angst nicht verschwinden lassen. Vielmehr wandelten sich die Befürchtungen vor einem "Zahlungsausfall" der USA zu Ängsten vor einem plötzlichen Angebotsschub, welcher den US-Anleihemarkt überschwemmen könnte. In der Folge würden die Kurse der US-Staatsanleihen sinken und die langfristigen Zinsen kräftig ansteigen. Zunächst einmal nehmen wir es wohlwollend zur Kenntnis, dass der Fokus auf Angebot und Nachfrage gerichtet wird – oft werden diese treibenden Kräfte für Anleihekurse in der breiten Diskussion gar nicht berücksichtigt. Wir glauben jedoch nicht, dass die Befürchtungen zutreffen.

Moderate Reaktion

Es handelt sich zwar um ein sehr kleines Zeitfenster, aber die Zinsen 10-jähriger US-Staatsanleihen sind tatsächlich gesunken, seit die Einigung über die US-Schuldenobergrenze verkündet wurde. Vor dem Pfingstwochenende notierten 10-jährige US-Staatsanleihen bei 3,82 Prozent, aktuell liegen sie bei 3,68 Prozent. Kurzfristige Bewegungen sind praktisch unmöglich zu entschlüsseln, da sie stark von der Marktstimmung und kurzfristig orientierten Marktteilnehmern beeinflusst werden. Wir sind jedoch der Meinung, dass es der Anleihemarkt durchaus unmittelbar eingepreist hätte, wenn die Anleger flächendeckend mit einer marktverzerrenden Angebotsausweitung gerechnet hätten – in diesem Umfeld wären die Renditen sicherlich nicht gefallen.

Auktionen bestätigen das Bild

Seit der Unterzeichnung des Abkommens wurden zwar erst zwei Emissionen kurzfristiger US-Schatzwechsel getätigt, dennoch sind sie ein guter erster Test dafür, ob die Nachfrage das Angebot ausreichend „aufsaugen“ kann. Die Ergebnisse sind in dieser Hinsicht sehr ermutigend. Die emittierten US-Anleihen mit drei- und sechsmonatiger Laufzeit waren dreifach überzeichnet, der durchschnittliche Zinssatz war dabei jeweils leicht niedriger als auf dem Sekundärmarkt. Eine deutliche Überzeichnung und ein Verkauf mit einem leichten Aufschlag – das ist nicht das, was man erwarten würde, wenn das Angebot wirklich die Nachfrage überwältigt.

Wenn überhaupt, dann ist das Gegenteil der Fall, was unserer Meinung nach auch Sinn macht. Wenn man länger als eine Woche zurückdenkt, wird schnell klar, dass das Angebot fast ein halbes Jahr lang statisch war. Neue US-Anleihen wurden nur ausgegeben, um fällig werdende US-Anleihen zu ersetzen. In dieser Zeitspanne schwankten die Zinssätze, sanken aber schließlich unter das Niveau vor der US-Schuldenobergrenze – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage sehr solide war. Das US-Schatzamt kann nun endlich damit beginnen, diese höhere Nachfrage zu befriedigen und Märkte gehen wieder ihrer üblichen Funktionsweise nach. Der Streit um die US-Schuldenobergrenze hat im Endeffekt lediglich dazu beigetragen, dass die Emission neuer Staatsanleihen im Kalenderjahr 2023 etwas nach hinten verschoben wurde – was aus unserer Sicht nichts an den grundlegenden Kräften verändern wird.

Fazit

Das politische Theater rund um die US-Schuldenobergrenze hat sich gelegt und die Märkte werden einen Schritt zurück in die Normalität vollziehen. Das Angebot an US-Staatsanleihen wird wie in den vergangenen Jahren steigen, um den hohen Bedarf von Anlegern und Institutionen zu decken, die sie kaufen wollen. Dass diese Konstellation mit vielfältigen Ängsten einhergeht, ist ein gutes Zeichen: Der Pessimismus des Unglaubens ist immer noch stark und kann den neuen Bullenmarkt weiterhin befeuern.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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