Alt 01.07.22, 07:19
Standard „Robuste Daten, schlechte Stimmung“
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Märkte bleiben volatil.

Aktienanleger brauchen in der aktuellen Phase weiterhin starke Nerven. In einem schwierigen und volatilen Umfeld haben es selbst Nachrichten über robuste Wirtschaftsdaten schwer, tatsächlich als positive Signale wahrgenommen zu werden. Denn hinter jeder positiven Datenmeldung versteckt sich die Sorge, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit weiterer großer Zinserhöhungen seitens der Fed erhöht wird. Und diese Zinsdiskussionen dämpfen die Marktstimmung bereits im gesamten Jahresverlauf.

Der Pessimismus des Unglaubens

Die Tendenz der Anleger, jede gute Nachricht durch eine negative Brille zu betrachten, bezeichnet Ken Fisher gerne als „Pessimismus des Unglaubens“. Verstärkt ist diese Verhaltensweise in den späten Phasen einer Marktkorrektur oder in der frühen Phase einer Erholungsbewegung zu beobachten. Sie verdeutlicht immer wieder eine große Diskrepanz zwischen niedriger Erwartungshaltung und einer deutlich besseren Realität, wodurch Spielraum für positive Überraschungen entsteht.

Robuste US-Wirtschaft als gesunde Basis

Besonders in den USA sind robuste Wirtschaftsdaten auf breiter Ebene zu beobachten, deren positive Wirkung nicht wegdiskutiert werden sollte. Insbesondere sind die Bestellungen für langlebige Investitionsgüter im Vormonat stabil geblieben, die weithin als Indikator für Unternehmensinvestitionen gelten und vor dem Hintergrund steigender Zinsen immer mit großer Sorge betrachtet wurden. Die Daten zeigen mittlerweile, dass der Anstieg der US-Leitzinsen in diesem Jahr um 1,5 Prozentpunkte die Unternehmen jedoch nicht davon abhalten konnte, groß angelegte und sorgfältig durchdachte Investitionen zu tätigen.

Positiv ist in der Folge ebenso, dass sich der Abbau von Lagerbeständen, der das US-BIP im ersten Quartal noch belastete, nicht zu einem groß angelegten Trend entwickelt hat. Die Unternehmen fahren keinen harten Sparkurs, sie bleiben expansiv – dies spricht unserer Meinung nach gegen die Befürchtungen, dass eine Rezession bereits im Gange sein könnte. Dies wird bestätigt durch die vorläufigen US-Handelsdaten, die im Vormonat einen Anstieg der Exporte um 1,2 Prozent und einen Rückgang der Importe um 0,1 Prozent zeigten.

Es braucht keine „guten“ Nachrichten

Die Kombination aus schlechter Stimmung, robusten Wirtschaftsdaten und geringem legislativen Risiko (ein positiver Einflussfaktor, der aktuell nahezu unbeachtet bleibt) schafft wohl gute Rahmenbedingungen für einen Fortbestand des übergeordneten Bullenmarkts. Anleger dürfen sich nur nicht daran stören, dass gute Nachrichten in der aktuellen Phase kaum Platz einnehmen. Zum Glück sind sie für eine Erholungsbewegung auch nicht notwendig. Es ist in der Regel eine teure Angelegenheit, an der Seitenlinie auf die herbeigesehnte „Klarheit“ zu warten. Aktienmärkte blicken nach vorne und gleichen mit stoischer Ruhe die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Realität aus. In der aktuellen Phase müssen die Wirtschaftsdaten auch nicht fantastisch sein – robust genügt!

Fazit

Der „Pessimismus des Unglaubens“ hat auch seine guten Seiten. Dadurch wird die Marktstimmung auf ein derart niedriges Niveau gedrückt, dass es die Realität relativ einfach hat, positiv zu überraschen. Gleichzeitig birgt dieses Phänomen jedoch auch Gefahren – tendenziell werden Anleger genau dann aus dem Markt gescheucht, wenn die positive Dynamik in der Folge am ausgeprägtesten ist. Im Börsenjahr 2022 gilt auch weiterhin die Devise, sich emotional nicht unterkriegen zu lassen und die langfristigen Anlageziele weiterhin im Fokus zu behalten.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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