Alt 09.02.23, 20:40
Standard Wer zögert, riskiert
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Geglückter Jahresstart.

Das Börsenjahr 2023 zeigt sich weiterhin von seiner freundlichen Seite, im bisherigen Jahresverlauf konnte der MSCI World Index in Euro bereits über acht Prozent zulegen. Viele Marktteilnehmer stehen dem Aufschwung allerdings skeptisch gegenüber, aus den unterschiedlichsten Gründen. Es ist immer noch die Rede von überhöhten Bewertungen, die Stimmungslage bezüglich der globalen Wirtschaft ist bescheiden und durch die allmähliche „Rückkehr der Zinsen“ gibt es scheinbar wieder echte Alternativen zum Aktienmarkt. Grundsätzlich werden Aktieninvestitionen gerne als „riskant“ bezeichnet, in der aktuellen Phase lässt sich allerdings nüchtern feststellen: Nachdem mittlerweile mehr als ein Jahr vergangen ist, seit die Aktienmärkte ihren letzten Höchststand markiert haben, ist es vor allem riskant, nachhaltig im Bärenlager zu verharren.

It´s time in the markets!

Durchschnittswerte am Aktienmarkt sind mit Vorsicht zu genießen, da sie sich aus Extremwerten zusammensetzen. Dennoch ist es eine interessante Beobachtung, dass der durchschnittliche Kursrückgang eines Bärenmarkts im S&P 500 34 Prozent beträgt und dieser sich im Durchschnitt über 15 Monate erstreckt. In US-Dollar gerechnet hat der S&P 500 im Jahr 2022 die Bärenmarktdefinition erfüllt und seit dem letzten Höchststand sind 13 Monate vergangen. Ausgehend von dieser Historie erscheint die Wahrscheinlichkeit, dass der Kursrückgang noch viel länger andauert, nicht besonders hoch.

Keine Sicherheit

Wir sind uns bewusst, dass diese historische Betrachtung natürlich nicht die Möglichkeit ausschließt, dass sich an den Märkten weitere Rückgänge ereignen können. Der Jahresstart ist geglückt, aber die Aktienmärkte werden den Anlegern niemals den Gefallen tun, langfristig linear nach oben zu laufen. In der aktuellen Phase geht es vor allem um eine rationale Risikowahrnehmung. Aktienmärkte werden nicht dadurch riskanter, dass sie gefallen sind – im Gegenteil, die Chancen auf Kursgewinne steigen! Sicher ist jedoch, dass es fallende Märkte emotional schwieriger machen, wie ein langfristig orientierter und geduldiger Anleger zu agieren.

Gute Nerven sind wichtig

Gerade bei langwierigen Abwärtsphasen ist die finale Phase oft heftig und schmerzhaft, aber sie ist in der Regel nur von kurzer Dauer. Der V-förmige Aufschwung, der in der Regel nachfolgt, sorgt jedoch für eine schnelle Kompensation. Wie im Jahr 2009, als der Tiefpunkt am 9. März erreicht wurde – zu diesem Zeitpunkt notierte der MSCI World Index in Euro 18 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Durch die enorme V-Bewegung beendete der Index das Kalenderjahr 2009 dennoch mit einem Plus von 26 Prozent.

Unserer Ansicht nach ist das Risiko, den frühen Aufschwung zu verpassen, größer als das Risiko, den letzten Einbruch überstehen zu müssen. Selbst wenn man die ersten 15 Prozent einer neuen Aufwärtsphase verpasst, kann das ein großer Rückschlag im relativen Vergleich zur Marktperformance sein. Denn als Anleger verpasst man nicht nur diese 15 Prozent, sondern den kompletten Zinseszinseffekt, der sich bis zum finalen Hochpunkt des Bullenmarkts anhäuft.

Fazit

Wer an der Seitenlinie steht, um mögliche Abwärtsbewegungen auszuklammern, geht ein hohes Risiko ein. Denn wer dynamische Aufwärtsphasen verpasst, erhöht die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass die vom Markt angebotene langfristige Rendite außer Reichweite gerät. Der breite Aktienmarkt war schon immer in der Lage, Rückgänge wieder aufzuholen – je höher die aufzubringende Geduld, desto kräftiger fällt die Belohnung aus.

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Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Thomas Grüner die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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