Alt 19.01.19, 00:50
Standard Deutliche Kursgewinne - China angeblich kompromissbereit
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NEW YORK (Dow Jones)--Die Freude über die jüngsten Entspannungssignale im US-chinesischen Handelskonflikt hat am Freitag neue Nahrung erhalten und der Wall Street den zweiten Tag in Folge zu Gewinnen verholfen. Nach der US-Regierung scheint nun auch China von seiner harten Haltung abzurücken. Das Land habe zum Abbau des Handelsüberschusses mit den USA angeboten, über einen Zeitraum von sechs Jahren jährlich US-Waren im Wert von über 1 Billion Dollar zu importieren, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.

Die Nachricht erreichte die Märkte einen Tag, nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, US-Finanzminister Steven Mnuchin habe in mehreren Strategiesitzungen vorgeschlagen, die Strafzölle auf Importe aus China zu senken oder gar aufzuheben. Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte zwar von Zollempfehlungen des Ministers nichts wissen, doch blendeten Anleger solche Aussagen aus. Der Bericht über ein Entgegenkommen der chinesischen Seite zerstreute auch die letzten Zweifel und ließ die Investoren beherzt zu Aktien greifen - und dies, obwohl in den USA ein langes Wochenende bevorsteht. Die dortigen Börsen bleiben am Montag wegen des Gedenktags für Martin Luther King geschlossen.

Unabhängig von der sich anbahnenden Wende im Zollstreit lieferte auch die Konjunkturentwicklung in den USA, wie schon am Vortag, Kaufargumente: Nun war es die Industrieproduktion für Dezember, die positiv überraschte. Dass der Uni-Michigan-Index für die Verbraucherstimmung im Januar überraschend drastisch gesunken ist, spielte derweil am Markt keine Rolle.

Der Dow-Jones-Index stieg um 1,4 Prozent auf 24.706 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 1,3 und 1,0 Prozent zu. Umgesetzt wurden 1,006 Milliarden (Donnerstag: 911 Millionen) Aktien. Dabei standen einer Überzahl von 2.218 Kursgewinnern nur 774 -verlierer gegenüber, während 72 Titel unverändert schlossen.

Zur positiven Grundstimmung trug auch die Berichtsperiode bei, selbst wenn zuletzt einige Enttäuschungen am Markt verdaut werden mussten. Denn das übergeordnete Bild vermittelt einen durchaus positiven Eindruck. 77 Prozent der im S&P-500 gelisteten Unternehmen, die bislang Geschäftszahlen vorgelegt haben, schnitten besser ab als vom Markt veranschlagt. Typischerweise liegt dieser Wert bei 64 Prozent, wie die Analysten von Refinitiv sagten.

Gewinnerwartungen an Unternehmen sehr niedrig

Allerdings räumten Händler ein, dass die Gewinnerwartungen an die Unternehmen vor der Berichtssaison kräftig gesenkt worden seien. "Bei Aktien und dem Marktumfeld für andere risikoreiche Vermögenswerte sind wir noch nicht aus dem Gröbsten raus", merkte Chefanalyst David Bowers von Absolute Strategy Research daher kritisch an.

Wenig Grund zur Freude hatten Anleger von Tesla: Der Elektroautohersteller will 7 Prozent der Vollzeitstellen abbauen. Ziel sei es, die Kosten zu senken, um das neue Model 3 zu einem günstigeren Preis verkaufen zu können, ging aus einer Mail von CEO Elon Musk hervor, in die das Wall Street Journal Einblick hatte. Die vorläufigen Daten für das Schlussquartal deuteten darauf hin, dass Tesla in den drei Monaten per Ende Dezember einen niedrigeren Gewinn als in der Vorperiode verbucht habe, warnte Musk. Die Aktie verlor 13 Prozent.

Eli Lilly büßten 2,2 Prozent ein. Der Pharmakonzern hat in einer klinischen Studie der Phase 3 mit dem Medikament Lartruvo einen Fehlschlag erlitten. Eli Lilly zeigte sich "überrascht und enttäuscht" vom Ausgang der neuen Studie. Der Umsatz- und Gewinnrückgang des US-Ölfelddienstleisters Schlumberger ist im vierten Quartal weniger dramatisch ausgefallen als befürchtet. Der Kurs stieg um 8,1 Prozent.

Netflix sanken um 4 Prozent. Der Streaminganbieter hat im vierten Quartal zwar mehr verdient als erwartet und die Zahl seiner Neukunden überraschend stark gesteigert. Der Umsatz blieb jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück. Überdies hatte der Kurs am Dienstag erst kräftig um fast 7 Prozent zugelegt, nachdem Netflix umfangreiche Gebührenerhöhungen angekündigt hatte.

Um 1 Prozent ging es für American Express nach oben. Der Kreditkartenkonzern hat durchwachsene Geschäftszahlen für das vierte Geschäftsquartal ausgewiesen. Der Gewinn lag deutlich über der Markterwartung, die Umsätze verfehlten jedoch knapp die Erwartungen.

Der Kurs von J.B. Hunt Transport Services erhöhte sich um 6,2 Prozent. Das Transportunternehmen hatte einen Gewinn von 88,7 Millionen Dollar gemeldet nach 385,3 Millionen im Vorjahr. Das Ergebnis enthielt allerdings zuvor angekündigte Belastungen im Zusammenhang mit einem laufenden Rechtsstreit. Der Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar entsprach dem Marktkonsens.

Der Kurs von Bank OZK stieg um 16,2 Prozent. Das Unternehmen hat Viertquartalszahlen über Marktprognosen bekannt geben. VF Corp zogen um 12,4 Prozent an, der Modekonzern hatte den Ausblick für das laufende Jahr erhöht.

Der Rentenmarkt neigte angesichts der Aufschläge bei Aktien und den überzeugenden Daten zur industriellen Fertigung zur Schwäche. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 4 Basispunkte auf 2,79 Prozent. Sollten die Verhandlungen zu einem Abbau der Handelsbeschränkungen führen, dürfte sich die Konjunktur beleben und den Rentenmarkt weiter drücken.

Ölpreise von Nachfragehoffnung getrieben

Am Erdölmarkt zogen die Preise mit den Neuigkeiten zum Zollstreit an: Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 3,3 Prozent auf 53,80 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 2,5 Prozent auf 62,70 Dollar. In jüngster Zeit hatten die Ölpreise auch etwas unter der Befürchtung gelitten, die Nachfrage aus China könnte konjunkturbedingt zurückgehen. Nun rechnet aber auch die Internationale Energie-Agentur mit einem Anstieg der Rohölnachfrage 2019. Niedrigere Preise dürften den Effekt einer schwächeren Konjunkturentwicklung ausgleichen, heißt es bei der Agentur. Positiv aufgenommen wurden daneben Daten von Baker Hughes. Der Ausrüster der Ölindustrie meldete, dass die Zahl der in Betrieb befindlichen Bohranlagen in den USA in der laufenden Woche deutlich zurückgegangen sei.

Der Dollar legte etwas zu, getragen von den US-Konjunkturdaten und der Hoffnung auf eine Lösung im Handelsstreit. Der Euro fiel im Gegenzug auf etwa 1,1360 Dollar nach einem Tageshoch bei 1,1411, auch zum Yen neigte der Greenback zur Stärke. Der Dollar wurde mit 109,80 Yen gehandelt verglichen mit Ständen um 108 zu Beginn der Woche.

Die Spekulation auf eine Lösung im Handelsstreit drückte auf den Goldpreis. Die Feinunze verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1.281 Dollar. Die Bewegung könnte nach Ansicht eines technisch orientierten Marktteilnehmer nun bis in den Bereich bei 1.250 Dollar gehen.

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January 18, 2019 16:11 ET (21:11 GMT)

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