Alt 19.10.18, 10:42
Standard Streit um italienischen Haushalt hält Börsen im Zaum
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FRANKFURT (Dow Jones)--Eine zunehmend ungünstige Nachrichtenlage wird im frühen Handel an den europäischen Aktienmärkten am Freitag relativ gut weggesteckt. Eine stärkere Erholung nach den deutlichen Verlusten vom Vortag zeichnet sich aber nicht ab. Zu schwachen US-Vorgaben, besonders für Technologieeaktien, gesellt sich ein knapp unter den Erwartung gebliebenes Wirtschaftswachstum in China im dritten Quartal. Allerdings kamen aus Peking umgehend Signale für nötigenfalls wachstumssteigernde Impulse. Der Aktienmarkt in Schanghai schloss darauf nach einem schwachen Start sehr fest und zog auch einige Indizes an den Nachbarbörsen mit.

Dazu schwelt im Hintergrund der weiter drohende ungeregelte Brexit weiter, wie auch der Handelskonflikt USA/China. Hauptbelastungsthema ist zunächst aber der sich zuspitzende Konflikt zwischen der EU und Rom über den italienischen Haushaltsplan. Bereits im späten Vortageshandel zogen die italienischen Renditen deswegen massiv an und diese Tendenz setzt sich fort: die Zehnjahresrendite steigt um 3 Ticks auf 3,70 Prozent, ein klares Zeichen von Misstrauen der Anleger. Das ist der höchste Stand seit Februar 2014. Gleichzeitig werden sichere Häfen wie deutsche Anleihen angesteuert. Hier liegt die vergleichbare Rendite bei 0,40 Prozent.

Der DAX liegt kaum verändert bei 11.587 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 steigt um 0,1 Prozent auf 3.216. Der Euro kommt vom bereits am Vortag auch wegen der Entwicklung um Italien ermäßigten Niveau noch weiter zurück. Er kostet 1,1437 Dollar. Weil der Euro wegen des Konflikts mit Italien schwächelt, dürfte er anders als sonst oft für Aktien aber keinen Rückenwind liefern.

Italien Zünglein an der Waage

Viel dürfte im Tagesverlauf denn auch von der Entwicklung um Italien abhängen. Sollte es nicht zu einem Kompromiss zwischen Italien und Brüssel kommen, könnten wieder Spekulationen über einen möglichen Euro-Austritt des hochverschuldeten Landes hochkochen.

Die EU-Kommission wirft Italien eine "beispiellose" Abweichung von den europäischen Haushaltsregeln vor und forderte bis Montagmittag "Klarstellungen". Sollte Italien die Vorlage nicht nachbessern, könnte die Kommission sie zurückweisen. Dies wäre eine Premiere in der EU. Rom plant eine deutlich höhere Neuverschuldung als mit Brüssel vereinbart und weist jetzt schon hinter Griechenland mit Abstand die höchste Verschuldung auf.

"Für eine Italien-Krise gibt es kein Drehbuch, am Ende kann und wird hier kein Rettungspaket stehen", kommentiert Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Italien sei zu groß um gerettet zu werden, und groß genug, um den Euro auf eine existentielle Probe zu stellen.

Am 0,6 Prozent leichteren Aktienmarkt in Mailand sind Bankenaktien die Schlusslichter und verlieren bis zu 4 Prozent. Sie leiden unter der Schwäche der Anleihen, die sie zuhauf in ihren Portfolios halten. Daneben gibt es Spekulationen über Sonderabgaben der Banken von 1,2 Milliarden Euro zur Finanzierung der Ausgabenpläne der Regierung.

Software AG überzeugt

Auf Unternehmensseite hat der zweitgrößte deutsche Softwarehersteller Software AG Zahlen vorgelegt. Diese sind besser ausgefallen als Analysten erwartet hatten. Der Kurs steigt um 2,3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp ein Fünftel an Wert verloren.

Im SDAX werden SAF-Holland nach anfänglichen Gewinnen inzwischen 3 Prozent schwächer gehandelt - ebenfalls nach Vorlage von Geschäftszahlen. Der Nutzfahrzeugzulieferer hat zwar deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn erzielt, äußerte sich aber bei der Marge etwas pessimistischer. Vor allem hohe Stahlpreise in den USA belasten das Unternehmen. Der Kurs des Wettbewerbers Jost Werke verliert 1,5 Prozent.

Fresenius zeigen sich nach den herben Verlusten der Vortage um 0,7 Prozent erholt. Dass Akorn in den USA Berufung gegen das Urteil vom 1. Oktober eingelegt hat, demzufolge Fresenius Akorn nicht wie ursprünglich vereinbart übernehmen muss, sehen Händler aber nicht als stärkeren Kurstreiber. Der Schritt sei ohnehin schon angekündigt gewesen. Bei dem Streit geht es um den Vorwurf gravierender Verstöße des Akorn-Managements.

Positiv wird im Handel für Wirecard gewertet, dass nach Börsenschluss in den USA der Wettbewerber Paypal überzeugende Zahlen geliefert hat. Wirecard sind mit einem Plus von 2,7 Prozent DAX-Spitzenreiter. Lufthansa sind das Schlusslicht und büßen nach einer Abstufung durch Mainfirst rund 3 Prozent ein.

Gewinnwarnung setzt Michelin zu

Für Kursbewegungen in Paris sorgen Geschäftszahlen von Michelin, Casino und Bouygues. Michelin fallen um 6,6 Prozent. Der Reifenhersteller hat im dritten Quartal seinen Umsatz zwar erhöht, wegen eines Rückgangs bei Reifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge seine Markterwartungen für 2018 aber gesenkt. Im DAX verlieren Continental 2,8 Prozent.

Der Einzelhändler Casino konnte umsatzseitig nach ersten Einschätzungen aus dem Handel zwar ebenfalls überzeugen, allerdings bereiten die Währungsseite in Südamerika und der hohe Schuldenberg Probleme. Der Kurs gibt um 1,5 Prozent nach. Der Mischkonzern Bouygues hat derweil seine Jahresprognose hauptsächlich wegen Problemen im Baugeschäft gesenkt. Den Ausblick für das Fernsehgeschäft der TF1-Gruppe und für Bouygues Telecom bestätigte der Konzern. Bouygues verlieren fast 7 Prozent.

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October 19, 2018 03:57 ET (07:57 GMT)

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