Alt 18.10.18, 22:44
Standard Dow verliert über 300 Punkte - Sicherheit ist Trumpf
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NEW YORK (Dow Jones)--Die Wall Street hat am Donnerstag belastet von Zins- und Wachstumssorgen mit deutlichen Verlusten geschlossen. Zwar stand weiter die US-Berichtssaison im Blick, doch mit dem Fed-Protokoll des Vorabends waren die Sorgen über schnell steigende Zinsen wieder zurückgekehrt. Das Sitzungsprotokoll deutete darauf hin, dass die Währungshüter an ihrem Zinserhöhungstempo festhalten dürften. Händler sprachen von einem falkenhaften Dokument. Fed-Gouverneur Randal Quarles bestärkte diese Sicht, denn er bekräftigte den Kurs der US-Notenbank, die Zinsen schrittweise zu erhöhen.

Die Furcht vor steigenden Zinsen kommt zu einer Zeit, in der das globale Wachstum auf dem Prüfstand steht. Anziehende Zinsen und sinkende Wachstumserwartungen seien keine gute Kombination für Aktien, hieß es. Der weiter nicht gelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China befeuerte diese Sorgen. In China war der Aktienmarkt auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Die globalen Märkte könnten einen "weiteren Schlag" versetzt bekommen, wenn sich die Befürchtungen eines langsameren Wachstums in China bewahrheiten sollten, mahnten Börsianer. Die BIP-Daten zum dritten Quartal wird China am Freitag bekannt geben.

Anleger fürchten Ende des Bullenmarktes

In diesem Gemengelage fiel der Dow-Jones-Index um 1,3 Prozent auf 25.380 Punkte, im Tagestief hatte der Index gar bei 25.236 Zählern gestanden. S&P-500 und Nasdaq-Composite sanken um 1,4 bzw. 2,1 Prozent. Umgesetzt wurden an der Nyse 825 (Mittwoch: 791) Millionen Aktien. Den 707 (1.106) Kursgewinnern standen 2.285 (1.857) -verlierer gegenüber, unverändert schlossen 86 (109) Titel. Der Volatilitätsindex, auch "Angstbarometer" genannt, schoss um 17 Prozent nach oben. Anleger fragten sich, wie lange der neunjährige Bullenmarkt noch andauern werde. "Investoren warten auf die nächste Hiobsbotschaft, ohne zu wissen, welche das sein wird", sagte Portfolioverwalter Nicholos Venditti von Thornburg Investment Management.

Einige Börsianer nannten die Absage von US-Finanzminister Steven Mnuchin für eine Investorenkonferenz in Saudi-Arabien eine solche Hiobsbotschaft. Hintergrund der Entscheidung war die Affäre um den saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, der möglicherweise ermordet wurde. Zumindest in den USA zeigten sich noch keine Indikationen für ein nachlassendes Wachstum, die Frühindikatoren legten im erwarteten Rahmen zu. Auch die übrigen Daten widersprachen dieser Sicht nicht. Die Daten befeuerten wohl eher die Zinssorgen.

Neben dem Absturz des Gesamtmarktes blickten Anleger mit Sorge auf den Dow-Transportsektor. Dessen noch höhere Verluste von 2,6 seien kein gutes Signal für die kurzfristige Kursentwicklung, so mahnende Stimmen.

Alcoa und Steel Dynamics überzeugen

Unter den Einzelaktien waren Alcoa mit einem Aufschlag von 5,9 Prozent gesucht. Der Aluminiumkonzern schlug im dritten Quartal die Markterwartungen und kündigte einen Aktienrückkauf an. Auch Steel Dynamics schnitt in der dritten Periode überraschend gut ab. Die Titel rückten um 1,9 Prozent vor.

Mit den Konjunktursorgen ging es für Caterpillar als Dow-Schlusslicht um 3,9 Prozent nach unten. Der Baumaschinenhersteller wird am Dienstag Geschäftszahlen vorlegen. Diese gelten als Konjunkturbarometer. Der Zigarettenhersteller Philip Morris hatte im dritten Quartal trotz eines Absatzrückgangs Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Konzern, zu dem Marken wie Marlboro und die E-Zigarette Iqos gehören, übertraf die Erwartungen. Die Aktie stieg um 3,6 Prozent.

Weniger von Naturkatastrophen verursachte Schäden als im Vorjahreszeitraum haben dem Versicherer Travelers im dritten Quartal einen höheren Gewinn beschert. Das Unternehmen übertraf sowohl bei den Einnahmen als auch beim Gewinn die Erwartungen. Die Aktie verlor in dem schwachen Marktumfeld 1,0 Prozent.

Sealed Air büßten 8,3 Prozent ein. Das Verpackungsunternehmen hatte seinen Ausblick gesenkt. Die Drittquartalszahlen lagen zudem unter den Erwartungen des Marktes. Endocyte haussierten um über 50 Prozent. Die schweizerische Novartis übernimmt das Pharmaunternehmen für 2,1 Milliarden Dollar.

United Rentals brachen um 15 Prozent ein, das Verleihunternehmen schlug zwar die Marktprognosen mit seinen Geschäftszahlen, rechnete beim Ausblick aber Übernahmekosten heraus.

Ölpreise fallen weiter zurück

Die Ölpreise bauten ihre Verluste des Vortages aus. Weiterhin belastete der deutlich stärker als erwartet ausgefallene Anstieg der US-Öllagerdaten gepaart mit sinkenden Konjunkturerwartungen. Die Analysten von JBC Energy merken an, dass es sich bereits um den vierten Anstieg in Folge gehandelt habe. Das Erdölkartell Opec ging derweil von einer steigenden US-Förderung und anderen preisbelastenden Faktoren in den kommenden Wochen aus. Die unsichere Konjunktur nähre Zweifel an der Nachfrage für 2019, so ein interner Bericht. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI fiel um 1,5 Prozent auf 68,65 Dollar, die global gehandelte Sorte Brent verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 79,29 Dollar. Im elektronischen Handel erholten sich die Preise etwas.

Am Devisenmarkt legte der Dollar zu, vor allem risikoreichere Währungen wie der Kanada- bzw. der australische Dollar litten unter der Risikoscheu. Der Yen war dagegen als vermeintlich sicherer Hafen gesucht. Die Absage von US-Finanzminister Mnuchin an Saudi-Arabien förderte die Risikoaversion. Der ICE-Dollarindex legte um 0,4 Prozent zu. Der Euro sank auf 1,1457 Dollar nach Wechselkursen klar über 1,15 am Vortag. Die Europäische Union warf Italien eine "beispiellose" Abweichung von den europäischen Haushaltsregeln vor.

Gold war mit der sinkenden Risikobereitschaft als Fluchthafen gesucht - trotz steigender Zinserwartungen und anziehendem Dollar. Die Feinunze verteuerte sich im späten Handel um 0,3 Prozent auf 1.225 Dollar. Ähnlich wie Gold profitierte auch der Rentenmarkt von der Flucht aus Aktien.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verlor im Gegenzug 2,5 Basispunkte auf 3,18 Prozent. Als ein Ende der Zinserhöhungsfantasie dürfe der Fall der Marktzinsen nicht verstanden werden. Der erneute Anstieg der italienischen Renditen habe die Suche nach Sicherheit verstärkt und Anleger in US-Renten getrieben, hieß es. Ohne Italien beim Namen zu nennen, warnte EZB-Präsident Mario Draghi vor einem Infragestellen europäischer Haushaltsregeln.

Kontakt zum Autor: florian.faust@wsj.com

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October 18, 2018 16:12 ET (20:12 GMT)

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