13.03.2018 Mittelbayerische Zeitung WKN
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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zum Welthandel: Es wird eng für die Freiheit von Bernhard Fleischmann
Regensburg (ots) - Wir sind ganz nah dran. Näher als uns allen
lieb sein kann. Die weltweiten Auseinandersetzungen auf den
Handelsmärkten steuern auf einen Handelskrieg zu, der nur wenigen
nutzt. Mit dem von US-Präsident Trump ausgesprochenen Strafzöllen auf
Stahl und Aluminium ist nur für alle sichtbar geworden, was sich
schon länger andeutet und weit mehr umfasst als den Handel. Die Ära
des freien Welthandels, so wie er sich nach dem Zweiten Weltkrieg
entwickelt hat, könnte enden. Wenn wir nicht schleunigst gute
Argumente dafür finden, dass Freiheit und Offenheit etwas Gutes für
alle sind - solange sich die Mitspieler an einige grundsätzliche
Regeln halten -, dann gehen sie dahin. Nicht nur im Handel.
Abschottung ist heute sehr trendy. Sie gab es auch schon in den
vergangenen Jahren. Aber neuerdings gewinnt sie mächtig an Schwung.
Sichtbarer als in der Warenökonomie ist sie im Umgang mit Menschen.
Die Abschottung vor Zuwanderern folgt im Prinzip dem gleichen Denken:
Wir als Nation kommen besser ohne den Rest der Welt klar als mit ihm.
Immer mehr Gesellschaften bewegen sich rückwärts in eine vermeintlich
bessere Vergangenheit - getragen von der Sehnsucht nach einer
überschaubaren, homogenen Einheit. Das zeigt sich gut erkennbar in
unmittelbarer Nähe, zum Beispiel in Polen, Ungarn, Österreich,
Italien. Der Brexit ist ein Paradebeispiel dieser Entwicklung. Man
kann das abtun als verbohrte Rückwärtsgewandtheit und provinzielle
Dummheit. Das würde aber nur jene in ihrer Meinung bestärken, die im
Kleinen die große Zukunft sehen. Der Welthandel krankt ja durchaus an
Ungleichgewichten, die nicht aus unterschiedlicher
Leistungsfähigkeit, sondern aus unfairen Verhaltensweisen von
Mitspielern resultieren. China, das sich neuerdings als oberster
Fürsprecher einer freien Warenwelt kapriziert, geriert sich ganz und
gar nicht fair. Es agiert weniger mit Zöllen, sondern mit anderen
Hindernissen: dem Zwang zu Gemeinschaftsunternehmen, dem Zwang, sein
Know-how offenzulegen, der Subvention von Stahlherstellern und vieles
mehr. So ziemlich jede wirtschaftlich agierende Einheit, ob USA, EU
oder China, hat ihre Gemeinheiten auf Lager. China fährt damit ganz
gut: Der Wohlstand wächst, es holt technologisch auf und die Bürger,
die davon profitieren, bleiben trotz politischer Unterdrückung ruhig.
Ein großes Problem ist aber auch, dass die größten Befürworter des
freien Handels bisweilen die Frage übergangen haben, wem das Ganze
denn nützen soll. Wer sich informiert, weiß ja ganz schnell, dass
Freihandel in Summe ein Mehr ergibt: mehr Waren und Dienstleistungen,
mehr Wohlstand. Aber auch mehr Verkehr und häufig auch mehr
Umweltschäden. Nur hat sich das Empfinden festgesetzt, dass die
Gewinne der Globalisierung falsch verteilt worden sind. Das stimmt in
vielen Bereichen auch. Aber anstatt die falsche Verteilung
anzuprangern, denken die Menschen, die Globalisierung an sich würde
ihnen schaden. Wer also den freien Handel schützen und fördern will,
muss auch dafür sorgen, dass seine Früchte überall ankommen. Das
bedeutet, dass die Gewinne in gute Bezahlung, in Bildung, in
Forschung und Entwicklung, in Umweltschutz, in soziale Absicherung
auf breiter Basis fließen müssen. Das bedeutet auch, dass die
globalen Akteure endlich ihren Steueroasen den Garaus machen und
jenen Halodris des Wirtschaftslebens in die Parade fahren, die die
Welt als Casino betrachten, in dem sie die Gewinnzahlen immer schon
vorher kennen. Nur so können die Bürger nachempfinden, wie schön es
sich in einer - für alle - freien Welt leben lässt.

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