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14.05.12   Der Finanzmarkt Europas zerfällt  
Sehr geehrte Privatanleger,

vor einigen Monaten stellte die Europäische Zentralbank den Banken eine Billion Euro an Liquidität zur Verfügung. Das Geld wurde gerne genommen. Wenn man sich zu einem Prozent refinanzieren kann, überlegt man nicht lange.

Kurze Zeit später erklärte Draghi die Eurokrise für beendet. Jetzt ist sie wieder da. Denn die Geldspritze hatte einen unerwünschten Nebeneffekt: die Banken kauften oftmals Staatsanleihen ihrer Heimatländer, während die Banken anderer Länder diese abstießen oder sich nicht an neuen Auktionen beteiligten. Damit liegen die Staatsanleihen eines Landes wieder zunehmend bei den Banken dieses Landes – der integrierte Finanzmarkt zerfällt. Das währungspolitische Auseinanderbrechen Europas ist ein bisschen wahrscheinlicher geworden. Wer Planwirtschaft betreibt, erhält irgendwann die Quittung. So dumm sind die Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen nämlich nicht.

Ich bin seit längerem auch in Aktien der südeuropäischen Länder investiert. Viele ...      vollständigen Beitrag lesen 
07.05.12   Europa ist sturmreif  
Sehr geehrte Privatanleger,

wie einige von Ihnen wissen, bin ich deutscher und amerikanischer Staatsbürger. Nach zehn Jahren jenseits des Atlantiks fand ich es an der Zeit, auch die Staatsbürgerschaft meines Gastlandes anzunehmen. Dennoch hat es mich – wie den Wirtschaftsprofessor Friedrich List in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – wieder nach Deutschland zurückgezogen. Hier ist meine Heimat.

Nun hat ein Kartell aus Rating-Agenturen, Investmentbanken und anderen Akteuren Europa sturmreif geschossen. Kontinentaleuropa hatte ein kreditbasiertes Bankensystem, das auf Vertrauen und Nachhaltigkeit beruhte. Natürlich kamen auch größere und kleinere Unfälle vor. Aber die wirklich großen Krisen – 1929, 2008 – kamen aus dem angelsächsischen Bereich.

Das kreditbasierte System beruht anders als das börsenorientierte System auf langfristigen Bindungen zwischen Kreditgeber (Bank) und Kreditnehmer (Unternehmen). Sparer können keine extreme, aber faire Renditen erwarten. Banken trafen...      vollständigen Beitrag lesen 
30.04.12   Zwei Arten von Unsicherheit  
Sehr geehrte Privatanleger,

ich bin immer wieder überrascht, wie viel Privatanleger oder Laien an der Börse „wissen“ – oder zu wissen glauben. Value Investoren hingegen wissen, wie wenig Sie wissen. Und sie überlegen ständig, was sie alles nicht wissen (können).

Heute gab Fresenius (WKN: 578560) bekannt, dass man Rhön-Klinikum (WKN: 704230) übernehmen und mit dem eigenen Klinikbetreiber Helios Kliniken fusionieren wolle. Die Aktie machte einen Kurssprung um 50 Prozent.

Wir haben Rhön-Klinikum in den letzten Jahren immer als gutes Investment empfohlen, auch als der Kurs in den letzten Jahren stagnierte. (Beispiele: Privatinvestor 42/2009, 19/2010, 40/2010, 49/2011)

Einige Kunden wurden unsicher, weil der Gesundheitssektor ja nicht der einfachste ist. Bei uns bestand aber nie der geringste Zweifel am sehr guten Geschäftsmodelle von Rhön-Klinikum. Im PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) machte die Aktie eine große Position aus. Auch diej...      vollständigen Beitrag lesen 
23.04.12   Schnäppchenjagd?  
Sehr geehrte Privatanleger,

ich gebe es zu, es kann an den Nerven zerren. Man kauft Schnäppchen zu sehr günstigen Preisen, und dann werden diese Schnäppchen immer billiger.

Zum Beispiel die italienische Mediaset (WKN: 901402). Das Unternehmen gehört zwar mehrheitlich Silvio Berlusconi, was nicht unbedingt für die Firma spricht, ist aber bei weitem der Marktführer auf dem italienischen Markt. Die Umsatzrückgänge halten sich mit wenigen Prozenten angesichts der Krise in Grenzen, die Bilanz ist solide. Und dennoch fällt der Kurs, wie bei vielen anderen Süd-Aktien weiter.

Zum Beispiel Italmobiliare (WKN: 864875). Die italienische Holdinggesellschaft mit Beteiligungen im Bau (Italcementi), Medien und Finanzen notiert unter einem Drittel ihres Buchwerts, wobei das Hauptinvestment Italcementi ebenfalls weit unter Buchwert notiert und zum Marktkurs in den Bilanzen steht. Grotesk!

Zum Beispiel Telefonica (WKN: 850775), Telecom Italia ...      vollständigen Beitrag lesen 
16.04.12   Und schon wieder…  
Sehr geehrte Privatanleger,

gelegentlich verweise ich auf den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray, in dem der Protagonist immer wieder am selben Tag aufwacht, um genau diesen Tag wieder zu durchleben. Zwischenzeitlich treiben ihn Selbstmordgedanken um. Erst als er die Liebe einer schönen Frau gewinnt, dreht sich die Uhr weiter. Sehr sehenswert.

Manchmal fühle ich mich auch wie Bill Murray.

Nun geht es wieder mit den Spanien- und Italien-„Sorgen“ los. Das ist unerfreulich, denn ich habe neben extrem stabilen und sicheren Unternehmen, zum Beispiel deutschen Mittelständlern, auch etliche Aktienpositionen in den Südländern aufgebaut. Und die machen derzeit nicht viel Freude. Letzte Woche war unser PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) schon bei 151 Euro, diese Woche steht er bei 143 Euro.

Warum keiner von der viel schlimmeren und größeren amerikanischen oder einer japanischen Schuldenkrise spricht, ist mir schleierhaft. Nein, nicht ganz. Mein gesc...      vollständigen Beitrag lesen 
10.04.12   „Wolfson Economics Preis“  
Sehr geehrte Privatanleger,

Hans-Olaf Henkel wies mich darauf hin, dass nun die Endausscheidung für den „Wolfson Economics Preis“ stattfinden. Der Preis wurde 2011 für die Beschreibung des besten Auswegs aus der Eurozone ausgelobt. Er richtet sich an die „fähigsten Ökonomen in aller Welt“ und ist mit 250.000 Pfund Sterling dotiert. Henkel schreibt: „Dass sowohl die Auslobung dieses Preises als auch die Ergebnisse der Einreichungen in der deutschen Presse unter dem Deckel gehalten werden, verwundert nicht. Das Festhalten am Einheitseuro gehört hier zur politisch korrekten Staatsraison.“

Jetzt sind 5 Einreichungen in die Endrunde gelangt. Anbei die Titel und die zugehörigen Links:

1. Roger Bootle - Leaving the euro: A practical guide ([url="http://www.policyexchange.org.uk/images/WolfsonPrize/wep%20shortlist%20essay%20-%20roger%20bootle.pdf"]http://www.policyexchange.org.uk/images/WolfsonPrize/wep%20shortlist%20essay%20-%20roger%20bootle.pdf)
2. Catherine Dobbs - The...      vollständigen Beitrag lesen 
02.04.12   Frau Merkel, Sie treiben Europa in den kollektiven Selbstmord!  
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Es sieht so aus, als ob der von Ihnen und Minister Schäuble maßgeblich vorangetriebene Fiskalpakt beschlossene Sache ist.

Nicht nur betreiben Sie hier die Selbstentmündigung der Politik, Sie treiben Europa auch in den kollektiven Selbstmord. Es ist die Aufgabe souveräner Staaten, über Steuereinnahmen und Steuerausgaben zu wachen und eine verantwortungsvolle Finanzpolitik zu betreiben. Diese Aufgaben können – für einzelne Steuern oder in größerem Umfang – auf die Europäische Union übertragen werden, wenn die EU eines föderales und demokratisches Gebilde wäre, von dessen Parlament die Regierung (Kommission) gewählt würde.

Stattdessen haben wir den klassischen EU-Rat, in dem die Regierungen in Hinterzimmern tagen. Auf Russisch heißt „Rat“ übrigens „Soviet“. Da Sie Russisch lesen und sprechen, wissen Sie das. Professor Helge Peukert von der Universität Erfurt sprach im Zusammenhang mit dem Fiskalpakt von einem „Ermächtigungsgesetz“.

Schuld an...      vollständigen Beitrag lesen 
26.03.12   Euro-Krise – das Gröbste ist vorüber  
Sehr geehrte Privatanleger,

nun hat es also auch Mario Draghi gesagt: Das Gröbste bei der sogenannten „Euro-Krise“ sei vorüber. Die europäischen Staaten würden gute Fortschritte machen und die EZB hätte schon länger keine Staatsanleihen mehr aufkaufen müssen.

Er sagte wörtlich: „Die Lage stabilisiert sich. Die wichtigen Kennzahlen der Euro-Zone, wie Inflation, Leistungsbilanz und vor allem Haushaltsdefizite, sind besser als etwa in den USA.“ Ach was? Jetzt sagt Herr Draghi also auch, was ich schon seit gut einem Jahr predige: Der Euro-Zone geht es viel besser als den USA.

Aber was heißt das?

Unter den Blinden ist der Einäugige König. Die „knappe Billion“ an Zentralbankgeld, die in den vergangenen Monaten über Kredite dem Bankensektor zur Verfügung gestellt wurde, verniedlicht Herr Draghi. Zwar spricht er von möglichen Nebenwirkungen, aber man werde einschreiten, wenn sich die Inflation erhöht. Wer’s glaubt, wird selig.

Der Kurs der Zentralbanken beschwört die Inflation g...      vollständigen Beitrag lesen 
19.03.12   “Warum ich Goldman Sachs verlasse“  
Sehr geehrte Privatanleger,

am Mittwoch veröffentlichte Greg Smith einen Meinungsartikel in der New York Times: „Warum ich Goldman Sachs verlasse.“

Greg Smith war Exekutivdirektor und Leiter des Aktienderivategeschäfts in Europa, im Nahen Osten und in Asien. Er hat zwei der größten Hedgefonds des Planeten beraten, fünf der größten Vermögensverwalter in den USA, und drei der größten Staatsfonds im Nahen Osten und Asien. Seine Mandanten hatten insgesamt ein Vermögen von über einer Billion Dollar.

Smith nennt die Momente, als er in Südafrika ein volles Stipendium für die Stanford University in Kalifornien bekam, dass er die nationale Endausscheidung für die Rodes-Stipendien erreichte und dass er eine Bronzemedaille im Tischtennis bei den Maccabiah Games, der „jüdischen Olympiade“ gewann, die stolzesten in seinem Leben. Alle diese Erfolge habe er durch harte Arbeit erreicht, nicht durch Mogeleien oder Abkürzungen.

Als Smith vor zwölf Jahren bei Goldman Sachs anfing, fa...      vollständigen Beitrag lesen 
12.03.12   Schuldenschnitt für Griechenland: business as usual  
Sehr geehrte Privatanleger,

nun ist er also da, der Schuldenschnitt für Griechenland, den ich seit Frühjahr 2010 fordere. Allerdings hat man Griechenlands Schulden von insgesamt über 350 Milliarden nur um gut 105 Milliarden Euro reduziert.

Da nur die privaten Gläubiger einbezogen werden, sind all diejenigen, die in den letzten beiden Jahren ihre Schulden bei der Europäischen Zentralbank abladen konnten, fein raus. Man hätte eben gleich im April 2010 den Schuldenschnitt machen müssen. Dann wäre es fair und gerecht gewesen und die letzten zwei Jahre hätten zum Wiederaufbau des Landes genutzt werden können. So hat man Zeit verschenkt. Und auch jetzt ist eine Genesung des griechischen Patienten nicht wahrscheinlich.

Das Land bleibt quasi scheintot. Selbst die doch immer so optimistische OECD sieht Griechenlands Schulden erst in einigen Jahren bei 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – von oben, also einem höheren Niveau kommend, versteht sich. So sieht keine „Griechenland-Hilfe“ au...      vollständigen Beitrag lesen 
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