Alt 03.01.18, 22:14
Standard Investieren auf schwierigen Märkten – Die 10 wichtigsten Regeln für Ihren Börsenerfolg
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Wir Deutsche sind Sparweltmeister. Das wissen Sie, liebe Leser. Auf sage und schreibe 5,7 Billionen Euro taxierte die DZ Bank unser Geldvermögen für das Jahr 2016. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik betrug im gleichen Jahr nahezu nur die Hälfte davon: 3,1 Billionen Euro. Unsere Sparquote erreicht mit 9,8 Prozent den Spitzenplatz im Euroraum.

Aber: Wir wissen nichts mit unserem Geld anzufangen. 70 Prozent des Gelvermögens schlummern auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten, in Lebensversicherungen oder im Sparstrumpf zu Hause – allesamt Anlageformen, die praktisch keinerlei Rendite mehr erwirtschaften.

Und abseits dieser klassischen Anlageformen, die nicht mehr lukrativ sind, klafft eine riesengroße Lücke.

Das Problem: Das Rendite-Risiko-Verhältnis vieler alternativen Anlageformen ist schlecht. Die Risikoinvestments werden immer zahlreicher.

Vor wenige Tagen veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen aktuellen Stabilitätsbericht. Darin stellt er fest, dass sich „die Verwundbarkeit mit zunehmender Renditeorientierung in den Nichtbankensektor verschiebt und die Marktrisiken steigen“.

Im Klartext: Der Appetit auf riskante Kapitalanlagen steigt. Die Bereitschaft, für solche Kapitalanlagen nur sehr geringe Renditen in Kauf zu nehmen. Junk Bonds, also Anleihen von riskanten Schuldnern liefern zum Teil nur noch eine Rendite von 2, 3 oder 4 Prozent. Das ist sehr wenig.

Es gab Zeiten, da hätte niemand Junk Bonds unter einer Rendite von 12 oder 14 Prozent angefasst. Nur noch 5 Prozent aller in der Welt platzierten festverzinslichen Anleihen mit Investment Grade haben noch einen Ertrag von über 4 Prozent.

Auch auf dem Aktienmarkt müssen wir mittlerweile ganz genau hinschauen. Während das anziehende Wirtschaftswachstum zu höheren Unternehmensgewinnen führte, unterstützte die lockere Geldpolitik der Zentralbanken weltweit auch die anziehenden Aktienbewertungen. In der Folge erreichten alle wichtige Indizes neue historische Höchststände.

Ein Blick auf die Bewertungen hilft

Das Shiller-KGV – das ist ein KGV mit dem Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der letzten 10 Jahre – liegt für den S&P bei aktuell 31,55. Das ist sehr hoch!

Ein weiterer Indikator für das steigende Risiko auf den Märkten: Börsengänge sind wieder „heiß“. Hello Fresh läuft gut an. Aumann, Jost-Werke, Varta, Vapiano, Voltabox, Ibutec, Naratis und Naga – so heißen die größten Emissionen 2017. Es gab viele Jahre, da lief gar nichts. 2017 wird zwar nicht das Wahnsinnsjahr 2000 übertreffen können, aber das bislang zweitbeste IPO-Jahr 1999 vielleicht. Auch großen Unternehmen wie Knorr-Bremse und Siemens Healthineers erwägen den Sprung aufs Parkett.

Bitte beachten Sie, liebe Leser: Solche Neuemissionen sind zunächst keine normalen Aktien, sondern Risikoinvestments. Und Risikoinvestments sind teuer. Die „Märkte“ greifen nach jedem Strohhalm. Bitcoins explodieren. Die Renditen „sicherer“ Anlagen wie Immobilien und Anleihen tendieren gegen Null.

Da stellt sich für uns natürlich die Frage: Wie können wir in diesen turbulenten Zeiten noch sinnvoll anlegen?

Letzten Endes bleiben da vor allem Qualitätsaktien. Wir finden trotz des steigenden Fiebers immer noch unterbewertete Aktien von sehr starken Unternehmen. Der Markt hat eben nicht immer recht. Hysterie, Panik, Angst, Euphorie… Anleger sind eben auch nur Menschen und agieren sehr oft irrational.

Das können wir als Value Investoren ausnutzen. Und selbst der IWF stützt meine Einschätzung, dass die Börsen noch allerhand Chancen bieten. Er schreibt in seinem Stabilitätsbericht: „Während die Bewertungen einzelner Aktienmärkte schon etwas erhöht sind, scheinen Aktien als Anlageklasse im Vergleich zu sogenannten „sicheren Investments“ nicht überbewertet zu sein.“

Diese Bestätigung freut mich!

Doch wie gehen wir nun vor, liebe Leser? Wie können wir die vorhandenen Chancen für uns nutzen?

Dazu habe ich Ihnen einmal 10 grundlegende Regeln notiert:

1. Kaufen Sie nur, was Sie verstehen!

Sie müssen ein gutes Verständnis des Geschäfts haben, in dem Sie investieren möchten und Sie müssen in der Lage sein, leicht zu erklären, warum es als eine gute Investition betrachtet wird. Vermeiden Sie Investitionen in undurchsichtige oder komplexe Ideen, die Sie nicht verstehen.

2. Investieren Sie nicht Ihr gesamtes Vermögen!

Sie sollten immer genügend Geld auf Ihrem Bankkonto haben, um Ihren täglichen Bedarf und alle Notfälle zu decken, wie z. B. unerwartete Autoreparaturen oder Arbeitsplatzverluste. Mit einer Notfallreserve sind Sie nicht gezwungen, Ihr Sachvermögen unerwartet zu verkaufen, wenn Sie dringend Geld brauchen.

3. Diversifizieren Sie Ihr Portfolio!

„Risikostreuung ist ein Schutz vor Ignoranz“, sagt Buffett. Legen Sie also nicht alle Eier in einen Korb.

4. Denken Sie langfristig!

Hin und her macht Taschen leer. Es ist von großer Bedeutung, dass Sie sich auf die Akquisition von Unternehmen mit langfristigem Potenzial zu konzentrieren und genügend Zeit für die Umsetzung ihrer Strategien einplanen. Kurzzeitige Preisschwankungen sind in der Regel nichts weiter als störender Lärm: Ignorieren Sie diese also.

5. Haben Sie keine Angst vor Verlusten!

Sogar die besten Anleger haben schon sehr schlechte Entscheidungen getroffen. Auch Sie werden ein paar Verlustträger in Ihrem Portfolio haben. Lernen Sie, damit zu leben. Und vergessen Sie nicht: Sie können nur 100 % von Ihrer Investition verlieren, aber Ihre Gewinne können viel höher sein.

6. Weinen Sie nicht verpassten Chancen hinterher!

Sie können an der Deutschen Börse mehr als 1.000 verschiedene Aktien kaufen und verkaufen und noch viel mehr an anderen Börsen. Sogar professionelle Anleger können nicht allen Aktien folgen – also ist es eine sichere Annahme, dass Sie ein paar Chancen verpassen werden. Doch statt sich über die Erfolgsaktien, in die Sie nicht investierst haben, aufzuregen, sollten Sie die Gewinner in Ihrem Portfolio feiern. Und erinnern Sie sich stets daran, dass viele Unternehmen den Wert für ihre Aktionäre über viele Jahre erhöhen werden. Das heißt für Sie: Sie haben die Gelegenheit nicht unbedingt verpasst, nur weil Sie die Aktie nicht am tiefsten Punkt gekauft haben.

7. Vermeiden Sie „Market Timing“!

„Tief kaufen, hoch verkaufen“ klingt wie das wichtigste Anleger-Grundprinzip, aber wenn Sie versuchen, den besten Zeitpunkt zu erwischen, um Aktien zum tiefsten Preis zu kaufen und zum höchsten Preis zu verkaufen, werden Sie meistens scheitern. Die meisten Fälle, in denen Sie den perfekten Zeitpunkt nicht gefunden hast, werden einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen, selbst dann, wenn Sie mit Ihrer Investition unter dem Strich Geld verdient haben. In jedem Fall machen Sie sich zu viele Sorgen. Sie sollten nicht versuchen, den perfekten Zeitpunkt zu finden. Vielmehr sollten Sie sich daran erinnern, dass Sie ein langfristiger Investor und kein Daytrader sind.

8. Sie sollten keine Aktien leerverkaufen!

Der Leerverkauf bedeutet: Sie verpflichten sich, eine Aktie in der Zukunft zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen, auch wenn Sie diese Aktie heute gar nicht besitzen. Sie gehen grundsätzlich eine Wette gegen das Unternehmen ein und nehmen an, dass der Aktienpreis fallen wird. Es gibt zwei Probleme bei dieser Strategie:

a. Wenn der Aktienpreis auf Null fällt, ist Ihr maximaler Gewinn der Verkaufswert. Ihr Verlustpotenzial ist jedoch unbegrenzt, falls der Aktienpreis stark steigt.

b. Es ist sehr viel gesünder, den Erfolg eines Unternehmens anzufeuern anstatt dessen Misserfolg.

9. Investieren Sie kein geliehenes Geld!

Wenn Sie Ihre Investitionen durch ein Margin-Konto finanzieren, investieren Sie im Grunde geliehenes Geld – also Geld, das Sie gar nicht besitzen. Wenn alles gut geht, kann die Hebelwirkung Ihre Buchgewinne zwar erhöhen. Doch wenn Ihre kreditfinanzierte Anlage Verluste macht, kann es sein, dass Sie mehr Geld auf das Konto überweisen oder andere Investitionen verkaufen müssen, um diese Verluste zu finanzieren.

10. Ignorieren Sie die Finanznachrichten!

Finanzmedien sind berühmt-berüchtigt für ihre kurzfristige Sicht. Ein Unternehmen wird ein Tag aufgrund guter Nachrichten bejubelt und eine Woche später wird es aufgrund von schlechten Entwicklungen angegriffen. Fernsehanalysten raten heute zum Kauf einer Aktie basierend auf der aktuellsten Chart-Analyse; morgen wollen sie die gleiche Aktie verkaufen, weil sich die Diagramme geändert haben. Wenn Sie den Medien zu sehr folgen, kann es passieren, dass Sie sich in diesem kurzfristigen Zirkus verlieren und es viel schwieriger wird, den oben aufgelisteten Regeln zu folgen. Lesen Sie also lieber Bücher zum Thema Value Investing statt täglicher Finanznachrichten.

Mit den besten Wünschen für ein gesundes neues Jahr,

Ihr

Max Otte


P.S.: Die Mitglieder meines Privatinvestor-Clubs erhalten wöchentlich fundamentale Analysen zu interessanten Unternehmen und haben den direkten Draht zu mir und meinem Analysten-Team. Hier können auch Sie von unserer Arbeit profitieren.
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Prof. Dr. Max Otte berät beziehungsweise Unternehmen, an denen Prof. Dr. Max Otte beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräusserung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.
Für Inhalt und Rechtmäßigkeit dieses Beitrags trägt der Verfasser Prof. Dr. Max Otte die alleinige Verantwortung. (s. Haftungshinweis)  
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