Alt 19.08.17, 02:49
Standard Bannon-Rücktritt lindert Verkaufsdruck an Wall Street
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NEW YORK (Dow Jones)--Nach den deutlichen Vortagesabgaben hat der Verkaufsdruck an der Wall Street zum Wochenausklang nachgelassen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die Nachricht, dass Präsident Trumps umstrittener Chefstratege Steve Bannon am Freitag das Weiße Haus verließ. Bannon und der Stabschef des Weißen Hauses, John Kelly, hätten sich darauf geeinigt, dass "heute Steves letzter Tag" sei, teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, am Freitag mit.

Zweifel an einem Zustandekommen der versprochenen Wirtschaftsreformen in den USA lasteten gleichwohl noch immer auf dem Sentiment und verhinderten, dass die Anleger entschlossener zugriffen. Nach der Auflösung von zwei Beratergremien hatten zuletzt Spekulationen um einen Rücktritt von Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn den Markt zusätzlich verschreckt. Dieser gilt als die treibende Kraft hinter der vom US-Präsidenten versprochenen Steuerreform. Zwar dementierte das Weiße Haus die Rücktrittspläne, doch die Skepsis bei den Investoren bleibt bestehen. Dazu kam der Terroranschlag in Barcelona vom Donnerstag, der die Risikofreude ebenfalls dämpfte.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,4 Prozent niedriger bei 21.675 Punkten. Der S&P-550 fiel um 0,2 Prozent und der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent. Das Umsatzvolumen war mit 925 (Donnerstag: 766) Millionen Aktien deutlich höher als an den vorigen Tagen. Dabei wurden 1.683 Kursgewinner und 1.226 -verlierer gesehen. Unverändert schlossen 113 Titel.

Marktteilnehmer wollten Bannons Ausscheiden aus dem Amt nicht überbewerten. "Ich weiß zwar nicht, warum der Weggang Bannons gut für die 18 Billionen Dollar schwere US-Wirtschaft sein soll, aber wir haben derzeit ein Nachrichten-Vakuum", sagte Mike Antonelli, Händler bei Robert W. Baird & Co in Anspielung auf das klassische Sommerloch in den Medien. "Und wenn in irgendeiner Zimmerecke jemand auf die Pauke haut, schauen wir alle hin", fügte er hinzu.

Andere Ereignisse dürften schwerwiegendere Folgen für die Märkte nach sich ziehen: Ein Scheitern der USA, rechtzeitig vor dem 29. September die Schuldenobergrenze zu erhöhen, oder ein ähnliches Ereignis könnten nach Einschätzung von Geoff Lewis, Asienstratege bei Manulife Asset Management, eine 10- bis 15-prozentige Korrektur im S&P-500 auslösen mit Übertragungseffekten auch auf Aktien außerhalb der USA, auf Anleihen und Währungen. Dem dürfte dann aber schnell eine Erholungsphase folgen, glaubt er. "Es gibt keine starken Belege, dass die jüngste Phase mit niedriger Volatilität in beunruhigendem Ausmaß zum Aufbau systemischer Risiken geführt hat", erklärte der Experte.

Die Agenda der US-Konjunkturdaten war am Freitag übersichtlich, es wurde lediglich der Index der Verbraucherstimmung der Uni Michigan für August veröffentlicht. Dieser überraschte positiv mit einem Anstieg auf 97,6 Punkte. Volkswirte hatten den Index auf 94,5 von zuvor 93,4 steigen sehen. Allerdings verpufften die überraschend guten Daten.

"Sichere Häfen" nach Bannon-Rücktritt nicht mehr gefragt

Die Nachricht vom Ausscheiden Steve Bannons aus seinem Amt minderte das Interesse an vermeintlich sicheren Häfen wie Staatsanleihen, Gold oder Fluchtwährungen wie etwa dem Yen. Der Dollar erholte sich auf 109,30 Yen. Zwischenzeitlich kostete er allerdings nur 108,60 Yen, fast 2 Yen weniger als im Hoch am Vortag. Der Euro notierte im späten US-Handel bei rund 1,1760 Dollar.

Der Goldpreis kletterte zwischenzeitlich auf ein neues Jahreshoch bei 1.301 Dollar. Hier kam noch die Aussicht auf länger niedrige Zinsen in den USA als stützender Faktor hinzu. Aber auch das Interesse an dem Edelmetall ließ nach: Im späten Handel notierte die Feinunze 0,1 Prozent niedriger bei 1.286 Dollar.

Die US-Anleihen traten auf der Stelle. Zehnjährige Titel rentierten wenig verändert bei 2,19 Prozent. Marktteilnehmer zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass dies nur vorübergehend sei. "Die Unsicherheit in Bezug auf die Trump-Administration sollte für einen andauernden Zulauf in die sicheren Häfen sorgen", so Analystin Mary Ann Hurley von D.A. Davidson & Co.

Die Ölpreise zogen nach einer zunächst verhaltenen Entwicklung kräftig an. Hier stützte ein unbestätigter Bericht, laut dem die zweitgrößte Ölraffinerie der USA mit einer Kapazität von 584.000 Barrel pro Tag den Betrieb unterbrochen hat. Von ExxonMobile, die die betroffene Raffinerie im texanischen Baytown betreibt, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Überdies meldete das Unternehmen Baker Hughes, dass sich die Zahl der in Betrieb befindlichen Ölförderanlagen in der vergangenen Woche um fünf verringert habe. Allerdings wird in den USA trotz des jüngsten Rückgangs an 357 Anlagen mehr als im vergangenen Jahr Öl gefördert. Das deshalb stark gestiegene Angebot an US-Öl hatte zuletzt das Sentiment belastet. Die Ölförderung in den USA liegt annähernd auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI erhöhte sich zum Settlement um 3 Prozent auf 48,51 Dollar, für Brent ging es um 3,3 Prozent auf 52,72 Dollar nach oben.

Applied Materials und Gap nach Zahlen gesucht

Bei den Einzelwerten gehörten Applied Materials und Estee Lauder zu den Gewinnern. Applied Materials stiegen um 2,7 Prozent. Der Zulieferer der Halbleiterindustrie konnte den Gewinn auf 925 Millionen Dollar in seinem dritten Quartal fast verdoppeln. Zudem lag der Ausblick beim Gewinn je Aktie über den Analystenschätzungen.

Estee Lauder verteuerten sich um 7,7 Prozent. Der Kosmetikkonzern hatte mit seinem Quartalsergebnis und dem Ausblick die Erwartungen übertroffen.

Foot Locker reiht sich in die Reihe der Unternehmen ein, deren flächenbereinigter Umsatz im zweiten Quartal viel schlechter ausgefallen ist als erwartet. Der Aktienkurs stürzte um fast 28 Prozent ab. Der Vorstand vermeldete überraschend einen 6-prozentigen Rückgang, während Consensus Metrixwar mit einer Zunahme um 1,7 Prozent gerechnet hatte. Auch der Gewinn je Aktie blieb mit 62 Cents hinter den erwarteten 90 Cents zurück. Nike verloren im Gefolge 4,4 Prozent und Under Armour 3,9 Prozent.

Der US-Energieversorger Calpine wird für 5,6 Milliarden Dollar von dem Finanzinvestor Energy Capital Partners und einigen Co-Investoren übernommen. Die Investorengruppe zahlt 15,25 Dollar pro Aktie, wie Calpine mitteilte. Inklusive Schulden beträgt das Volumen des Deals 17 Milliarden Dollar. Die Calpine-Aktie schoss um 10,5 Prozent auf 14,92 Dollar nach oben.

Der US-Landmaschinenhersteller Deere hat für das dritte Quartal zwar ein Umsatzplus gemeldet. Die Kennzahl konnte aber die Markterwartungen nicht erfüllen. Die Aktie sackte um 5,4 Prozent ab.

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August 18, 2017 16:14 ET (20:14 GMT)

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