Alt 27.11.17, 09:03
Standard Ach, der Herr Draghi!
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Sehr geehrte Privatanleger,

gelegentlich werde ich noch zu Insiderveranstaltungen eingeladen. Und manchmal, gehe ich sogar hin, denn es kann durchaus hilfreich sein, mal wieder reinzuschnuppern. Am 17. November war ich als Gast auf dem European Banking Congress in der Alten Oper in Frankfurt.

Nachdem ich gelegentlich darüber gescherzt habe, dass ich Mario Draghi nicht aus der Nähe kennenlernen durfte, ist dies nun vorbei. Ich hätte ihm vom der Empore herab auf den Kopf spucken, oder noch besser: einen Farbbeutel werfen können. Ich muss zugeben, dass der Gedanke irgendwie mein Hirn durchkreuzte. Getan habe ich es dann doch nicht.

Zunächst einmal: Draghi wirkt mit seinem schweren Akzept viel „italienischer“ als man es vielleicht glauben möchte. Sehr südländisch. Wären wir nicht aufgeklärte Menschen, würden mir da jetzt sofort gewisse Vorurteile einfallen.

Wie dem auch sei: Bei Goldman Sachs hat er seine italienischen Freunde und der englischen Finanzwelt viele gute Geschäfte gebracht, indem er kräftig an der Privatisierung von italienischem Staatsvermögen mitwirkte. Und nun betreibt er eine Politik zum Nutzen der Finanzbranche und der Südländer, während die Mittelschicht in Deutschland und Italien die Zeche zahlt, unter anderem durch massive Zinsverluste.

Gesagt hat er nicht viel Neues. Nach einem Loblied auf die Politik der EZB – man müsse irgendwann anfangen, aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen, aber man müsse flexibel bleiben – kam dann noch der Hinweis, dass die Inflation noch nicht da sei, wo man sie haben wolle.

Nach der Mittagspause sprach kurz Jens Weidmann. Kurz, prägnant, mit Stil. An einer Stelle, als er nämlich sagte, dass er sich ein festes Ende für die Anleihenkäufe gewünscht habe, klopften einige kurz für 2-3 Sekunden. Nur ich klopfte als einziger etwas nachhaltiger auf den Tisch, so ca. 7 – 10 Sekunden. Man hörte, dass nur noch einer klopfte. Jens Weidmann sagte dann, dass er nun trotz der Klopfer weiterreden würde, was für einige Lacher sorgte.

Manches Nette gibt es dann auch noch bei einem solchen Stelldichein der Branche. Das hervorragende Mittagsbuffett konnte ich am Stehtisch mit Hilmar Kopper einnehmen. Ihn kannte ich von einer Podiumsdiskussion zur Rettung des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeschichte. Irgendwie kamen wir darauf, dass er jedes Jahr zum Urlaub in die Schweiz fährt. „Sie haben also ein Haus da?“, fragte ich. „Nein, ich habe gar keine Immobilien außerhalb Deutschlands. Das ist mir zu kompliziert und ich halte es nicht für richtig.“ Ich habe Kopper gefragt, ob ich das schreiben dürfte. Ja, das könne ich.

Ich finde das großartig von Herrn Kopper!

Auch Daueroptimist Heiko Thieme, den ich noch nicht kannte, schaute vorbei. Ein netter, gut gelaunter Mensch. Ein Glas Wein habe ich gerne mit ihm getrunken. Man muss sich ja nicht über die Börse unterhalten, wo er bekanntlich sehr oft treffsicher daneben lag.

O.K., das war heute eine Kolumne aus der Rubrik „Society-Klatsch“. Ich kann Ihnen versichern, dass ich so etwas vielleicht ein- oder zweimal im Jahr mache. Der Rest sind Sachthemen. In der nächsten Woche haben wir ein wirklich spannendes und interessantes Investment mit einer Dividendenrendite von 10% für Sie!

Auf gute Investments,

Ihr

Max Otte


PS: War sonst noch was? Ach ja, am Montag vergangener Woche habe ich mir verwundert die Augen gerieben und dann einen Luftsprung gemacht. Jamaika kommt nicht, zumindest vorerst. Auf Twitter @maxotte_says habe ich @c_lindner meinen Respekt ausgedrückt. Die Medien drehen es – fast möchte man sagen: natürlich anders herum und schieben Lindner die Schuld zu. Dabei konnte so etwas Widersinniges wie Jamaika gar nicht funktionieren.

Und jetzt versuchen die Mainstreammedien uns die Neuauflage einer Großen Koalition schmackhaft zu machen und Neuwahlen auszureden. Ich sehe das anders. Und die Bürger auch. Bei einer Umfrage der Zeit am 21.11. waren zu dem Zeitpunkt, als 121.740 Leser abgestimmt hatten, 41,5% für Neuwahlen, 41,7% für eine Minderheitsregierung und 16,8% für eine GroKo.
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