Alt 05.03.12, 18:19
Standard XETRA-SCHLUSS/Konjunktursorgen vermiesen dem DAX den Wochenstart
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FRANKFURT (Dow Jones) - Konjunktursorgen haben zum Wochenbeginn die Kurse am deutschen Aktienmarkt belastet. Zu einer reduzierten Wachstumsprognose für Chinas Wirtschaft gesellte sich eine düstere Stimmung auch in den Unternehmen der Eurozone. Der durch die EZB-Milliarden in der Vorwoche nahezu spürbare Wohlfühlmodus war wie weggeblasen, ein nervöser Handel mit kräftigen Kursausschlägen bestimmte den Nachmittag. Am Ende des Tages schloss der DAX mit einem Minus von 0,8 Prozent oder 55 Punkten bei 6.866. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 168,7 (Vortag: 197,1) Millionen Aktien im Wert von rund 2,89 Milliarden Euro.

Am Morgen belastete zunächst die Nachricht, dass Chinas Premier Wen Jiabao zur Eröffnung des jährlich stattfindenden Volkskongresses für 2012 nur noch ein Wachstumsziel von 7,5 Prozent ausgerufen hat. In den vergangenen Jahren hatte das Wachstumsziel stets 8 Prozent betragen. "Ein weiterer Stimmungsdämpfer für risikoreiche Anlagen und zu große Wachstumsträume", lautete der Kommentar der Metzler Bank zum gestutzten Wachstumsziel.

Schlechte Nachrichten gab es am Vormittag dann auch aus Europa: In Italien, Frankreich, Spanien und der Eurozone sind Umfragen unter Einkäufern im Dienstleistungsgewerbe im Februar hinter den Prognosen von Volkswirten zurückgeblieben. Dies ließ die Kurse im Verlauf nachgeben. Lediglich deutsche Einkäufer zeigten sich etwas zuversichtlicher als erwartet.

"Die Daten zeigen, dass die Wirtschaft der Eurozone noch nicht aus dem Gröbsten heraus ist", kommentierte Volkswirt Howard Archer von IHS Global Insight die Einkaufsmanager-Indizes aus der Eurozone. "Die heutigen Umfragen stellen der Wirtschaft der Eurozone kein gutes Zeugnis aus, eine leichte Rezession ist durchaus möglich", ergänzte Annalisa Piazza vom Londoner Broker Newedge.

Am Aktienmarkt wurden einmal mehr Finanzwerte verkauft. Sorgen bereiteten den Anlegern, dass die Banken ihre üppige Liquidität lieber wieder bei der EZB "parken", statt sie in Anleihen der hoch verschuldeten Euro-Staaten zu investieren. Insgesamt 820 Milliarden Euro haben die Geldhäuser in den Einlagen der EZB hinterlegt. Nach der Rally in Folge der EZB-Milliarden in der Vorwoche verlor der Sub-Index der Bankenwerte in Europa 1,5 Prozent.

Das Schlusslicht im DAX stellte die Aktie der Commerzbank, die mit einem Abschlag von 3,3 Prozent auf 1,90 Euro aus dem Handel ging. Dabei half es nicht, dass die Commerzbank ihr hartes Kernkapital durch den Wandel von Hybridanleihen in Aktien um 776 Millionen Euro gestärkt hat. Die Analysten der LBBW begrüßten die Kapitaltransaktion und erwarten nun, dass die Bank die Eigenkapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht zum 30. Juni 2012 erfüllen wird. Die Aktie der Deutschen Bank verlor 2 Prozent auf 35,12 Euro.

Massiv nach oben ging es im MDAX für die Aktien des Immobilienkonzerns Gagfah. Sie haussierten um 26,6 Prozent auf 5,54 Euro. Die zündende Nachricht war, dass das Unternehmen und die Stadt Dresden ihren Rechtsstreit um die Privatisierung von Wohnungen beigelegt haben. Die Stadt Dresden hatte vor einem Jahr eine Klage in Höhe von knapp 1,1 Milliarde Euro gegen die Gagfah eingereicht und dies mit Verstößen gegen den Mieterschutz begründet.

Die Parteien einigten sich nun darauf, dass die sächsische Landeshauptstadt von 2012 bis 2020 jährlich jeweils 4 Millionen Euro erhält - insgesamt also 36 Millionen Euro. Darüber hinaus muss Gagfah in die Instandhaltung der Wohnungen investieren. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben die Gagfah-Aktie auf "Kaufen" hoch gestuft.

Daimler profitierten von guten Verkaufszahlen. Für Silvia-Quandt-Analyst Albrecht Denninghoff ist der Wechsel bei den Modellen der Grund für die gute Nachfrage nach den Automobilen mit dem Stern. Die Aktie schloss mit einem Minus von "nur" 0,5 Prozent bei 46,00 Euro. Verkauft wurden auch Aktien von Salzgitter, sie büßten knapp 5,3 Prozent auf 42,88 Euro ein. Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher hält es für fraglich, ob sich die gute Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr auch im laufenden Jahr fortsetzen wird.

DJG/thl/flf

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